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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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ÄhnlicheVerfahrenwiebeiderPerchtaunddemPerchtentischwendet Weiser in diesemKapitel auch auf die „allgemeine europäische Spukzeit vonNovember bis Ende Januar“an, die „in sonderbaremGegensatz zum christlichenFreudenfest“stehe, ferneraufdie „Einführungder langenund so strengen Adventszeit“, die sie als „Versuch der Kirche, den einheimi- schenAberglauben“zubändigen, interpretiert, unddazu auf das „Datum desAllerseelenfestesund[…]desNikolausfestes“,dasihr„auschristlichem Gutnicht erklärbar“ scheint. Aus derZusammenschau all dieser Indizien schließt Weiser das Kapitel zwar mit dem Eingeständnis, dass „auf die Frage, ob es auch auf südgermanischem Boden ein heidnisches Fest im Winter gegeben habe, noch keine Antwort gegeben werden“ könne. Sie stelltaberauchdieVermutungan,dassdie–hierskizzierten–„Tatsachen“, die sich „aus denmit den Perchtenläufen zusammenhängenden Vorstel- lungskreisen“ ableiten lassen, „für die Annahme eines solchen Festes, das seinem Inhalt nach wie das alte Julfest aus Fruchtbarkeits- und Toten- zaubernbestandenhabendürfte, inBetrachtkommen“. (Weiser1923,50) DemUnterfangen der Studie, das dermeistenUmgehungen bedarf, nämlich auch denWeihnachtsbaum auf germanischenUrsprung zurück- zuführen,widmet sichWeiser imdrittenund letztenTeil ihrerArbeit.Die vorhandenen literarischenundhistorischenQuellen,die vom17.bis zum 20.Jahrhundertreichen,bereitenimRahmendieserAufgabejedocheinige Schwierigkeiten:Darin erscheint derWeihnachtsbaum zumeinen als re- lativ jungerBrauch(dasersteZeugnis findetsichum1600inderBeckschen Chronik ausdemElsass); zweitenswirdernicht alsVolkssitte, sondern als aus städtischemGebiet kommenddargestellt (vonwoer sich erst langsam undAnfang des 20. Jahrhunderts noch nicht überall auf demLand ver- breitet habe); und drittens wird er nicht mit bäuerlichen, sondern aus- schließlich mit sozial höhergestellten Kreisen (Bildungsbürgertum, Ari- stokratie) in Verbindung gebracht. Weiser zollt dieser Sachlage zwar Respekt,meint aber zum einen, dass damit noch nicht die Abstammung des Weihnachtsbaums geklärt sei, da ihn die Quellen „ohne deutliche Beziehung zu einer öffentlichenReligion, ohne deutlicheBeziehung zum Volks- und Aberglauben“ verhandeln, dass sie also „eine[ ] gewisse[ ] Unsicherheit“ gegenüber der Herkunft dieses Brauchs zeigen. (Weiser 1923, 51) Zum anderen ist sie der Ansicht, dass es möglich sei, den Weihnachtsbaum trotz seiner Darstellung als junge, urbane, elitäre An- gelegenheit auf eineVolkssitte zurückzuführen.Dafür bedürfe es nur des Beweises,dass „unabhängigvondemstädtischenWeihnachtsbaum[…]in dembreiten StromderVolksüberlieferungen auch sonst Ansätze vorhan- den sind, die zu einemWeihnachtsbaum hätten führen können“.Dabei IV.2. Volkskunde existiert nur als Germanenkunde 201
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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