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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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selbe“ist,dieauchderBrauchdesMaibaumsbringensoll(Weiser1923,68– 69),siehtWeiserendlichalsBelegdafür,dass„eineWurzeldesChristbaumes auf den eigentlichenMaibaumzurückgeht“ (Weiser 1923, 67).81 Trotz all der Um- und Abwege, die Weiser in diesem Kapitel be- schreitet, bleibt der Beweis für den germanischen Ursprung des Weih- nachtsbaumsinDeutschlandaus.Vielmehrbehilft sichWeiser inihrer,die Dissertation abschließenden Zusammenfassung damit, ihn letztendlich, wenn auch nicht unbedingt beabsichtigt, doch auf das Christentum zu- rückzuführen, indem sie bemerkt, dass „[d]erWintermai in seinen ver- schiedenen Formen […] durch christliche Anregungen […] zumWeih- nachtsbaum inunseremSinne“wurde. (Weiser 1923, 74) RudolfMuchgefiel dieArbeit seiner Schülerin. In seinemGutachten vom13.Juni1922attestierteerWeiser,„[o]hneVoreingenommenheit“ans Werk gegangen zu sein, er lobte die „überzeugende[ ] Kraft ihrer Argu- mentation“ und ihr „kritisches Urteil“.82 Fünf Jahre später, in seinem Vorschlag,Weiser zu habilitierten, bezeichneteMuchdieArbeit sogar als „dasBeste,wasbi[s]herüberdiesenGegenstandgeschriebenwordenist“83. Diese überaus positive Beurteilung Muchs verwundert nicht, enthält WeisersArbeit doch alleBestandteile einerdeutschenVolkskunde,wie sie Muchvorschwebte:Durch ihreVerwendungetymologischerErklärungen und sprachgeschichtlicherAbleitungen legteWeiserdieNähe ihrer,wie es imUntertitel heißt,Volkskundlichen Untersuchung zur Germanistik fest. Gleichzeitiggingsiedavonaus,dassskandinavischeQuellen–obdiesenun aus Texten oder ,gelebtemBrauchtum‘ bestanden – für den ,Germanen- beweis‘ herangezogenwerden können,was derAnnahmederGermanen- kundler entsprach,dass alles ,Nordische‘auch ,germanisch‘ ist.Nebender voraussetzungslos angenommenen germanischen Kulturkontinuität war dieVereinnahmungdernordischenTraditionnämlichdie zweiteSetzung, ohne die eine derartige Beweisführung, bei der es – trotz Fehlens zuver- lässigerQuellen über Jahrhunderte hinweg – umdenZugang zum ,Ur- 81 Darauf,dass es sichdabei abernichtumdieerwünschteabergläubischeErklärung fürdieWeihnachtsbäume imdeutschsprachigenRaumhandelt, gehtWeisernicht direkt ein.Man findet nur eine kurze, in diese Richtung weisende Bemerkung, nämlich dass „[b]ei unseren abgeschliffenen und durch das Christentum beein- flußten Sitten […] jener Glaube an die im Baume anwesende Gottheit ge- schwunden“ sei.Weiser: Jul (1923), S. 69. 82 Beurteilung derDissertation der cand. phil. ElisabethWeiser vonRudolf Much vom13. Juni 1922;UAW,Phil. Fak.,Rigorosenakt 5387ElisabethWeiser. 83 Kommissionsbericht über das Habilitationsgesuch von Dr. Lily Weiser vom 26.Mai 1927;UAW,Phil. Fak., Zl. 267 ex 1926/27, PA3686LilyWeiser. IV. LilyWeiser (1898–1987)204
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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