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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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standteil derKnabenweihe“ausmache,hervorhebt.Weiser istnämlichder Ansicht, dass eine Interpretation dieser Weihen, vor allem der Über- gangsriten, „nicht nach den logischenGesetzen der heutigenDenkweise erfolgenkann“, sondern „vondemprälogischenundmystischenZustand der Primitiven ausgeh[en]“muss. (Weiser 1927, 14–15) Es gehtWeiser umdie „Erlebnisse[ ], die jeneÜbergänge indermenschlichenSeele […] auslösen“, um „ein Berührtwerden oder Ergriffensein von einer über- menschlichenMacht“, das einen „Wendepunkt“, eine „innereUmwand- lung“imLebendesKnabenvollzieht.Der„KerndieserErlebnisse“ist ihres Erachtens also „ekstatischerArt“. (Weiser 1927, 17)100 NebenderreligiösenKomponenteverleihendieInitiationenaberauch soziale Rechte, haben also gemeinschaftsbildende Funktion. In der „Blü- tezeit der Stammesweihe“ war die Führung des Stammes und die der Weihen, soWeiser, in denHändenderÄltesten, der Stammbestand „aus allen initiiertenMännern, eingeteilt in dieKlassen der Junggesellen, ver- heiratetenMänner und der Alten, und bildet[e] so in seinerGesamtheit eineGesellschaft“. ImLaufe derZeit, d.h.mit demWachsen der Bevöl- kerung, mit zunehmendem Ackerbau und anderen kulturellen Errun- genschaften zeigten sich aberWeiser zufolge „verschiedene Verfalls- und Entwicklungserscheinungen“ dieser Initiationen und Weihen. Diese führten dazu, dass imUnterschied „zur äußerlichenGemeinschaft“ eines Stammes verstärkt die innere Gemeinschaft, also eine „seelische Ver- wandtschaft als Bundesmacht“, hervortrat. Dieser „große[ ] innere[ ] Fortschritt“ war lautWeiser aber freilich nur „bei religiös hochbegabten Völkern“möglichundhatte,daraufwill siehinaus,einenGrund:nämlich, dasssich„einFührerüberdenStammerhebt“.DieFolgenderInstallierung eines „Führers“, der auch die Jünglingsweihen durchzuführen hatte, zeigten sich lautWeiser darin, dass aus „Altersklassen“ „geheimeGesell- schaften“wurden,dassdie „Grundlage einerArtGefolgschaft“geschaffen wurde und dass sich die einzelnenGesellschaften zu „religiösen Bruder- schaften“, „SozialenKlubs“oder „Berufsverbänden“ entwickeln konnten, dass es also zu einer Art Arbeitsteilung kam. (Weiser 1927, 24–25) Demnach waren die Jünglingsweihen, das ergibt sich ausWeisers Aus- 100 NachdemWeiser klargestellt hat, dass es sich bei Jünglingsweihen vor allemum religiöse undpsychischePhänomeneder Ekstase handelt, bringt sie verschiedene BeispielevonStammesweihenausSibirien,Neuguinea,Afrika,vondenTungusen, denBurjaten und den „Fitischi-Insulanern“ [!].Diese Beispiele, die sie allesamt nichtmitQuellen versieht, zeigen, dass die Bezeichnung ,Tiefkulturvölker‘, ob- wohl theoretischscheinbarwertfrei entworfen,dochnuraufbestimmteGegenden undMenschen angewendetwird. IV. LilyWeiser (1898–1987)210
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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