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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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Wesentlich für die GermanenkundeMuch’scher Prägung war nur, dass Weiser als Erste überhauptmit diesem „völlig neue[n]Germanenbild“108 hervortrat. MitBlick aufdas jeweilige zeitpolitischeMilieu lassen sich,wieKlaus von See feststellte, drei verschiedene Germanenbilder in der ,deutschen‘ Wissenschaft des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts unterscheiden. Das erstewardas vonWilhelmScherer unddemhumanistisch geprägten Bildungsbürgertum,das einem„Fortschrittsoptimismus“huldigte, „unter demEindruck des antikenBarbarenklischees“ entworfenwurde und den Germanenvorallem„ungebärdige[]Urwüchsigkeit“attestierte.Daszweite warmitderLebensreformbewegungderJahrhundertwendeengverbunden undvonModernitäts- bzw.Zivilisationskritik sowie vonder Suche „nach einer neuen, von Traditionen unbelasteten Unmittelbarkeit“ geprägt. Es entwarf den „nüchtern-ehrlichen, unpathetisch-kargen, aber seelisch rei- chen Germanen der isländischen Sagazeit“.109 Einer der Protagonisten dieses Germanenbilds war Andreas Heusler, der den Germanen „eine beherrschteRuhe, einegehalteneVornehmheit“, ihnenkeineAffinität zur Religion, dafür aber „Freidenkertum“ zuschrieb.110 Das dritte Germa- nenbild ist jenes,mit demLilyWeiser 1927andieÖffentlichkeit trat. Es konstruiert einenmilitärisch-heldenhaftenGermanentyp, der ekstatische Kulte pflegte undKriegergemeinschaften einging.Weiser applizierte für diese Sichtweise ein religionsethnographischesModell auf dieGermanen, das JakobWilhelmHauer 1923 in seinemHauptwerkDie Religion. Ihr Werden, ihr Sinn, ihreWahrheit entworfen hatte. IndiesemBuch erklärte Hauer das ekstatische Erlebnis zum Ursprung aller Religion und Reli- giosität und schrieb denMännerbünden und Jünglingsweihen eine be- sondere Rolle zu. Neben der Übertragung auf das Germanentum fügte Weiser diesemModell außerdemnoch dieBeziehung zu den von ihr an- genommenenmilitärischenKern- bzw.Elitetruppenhinzu,was „der ger- hinter ihren eigenenErgebnissen stand: „[N]icht alles ist geklärt. L.W.wird das selbstamwenigstenglauben.“Trier:LilyWeiser,AltgermanischeJünglingsweihen undMännerbünde [Rez.] (1929), S. 4. 108 See:Das ,Nordische‘ inderdeutschenWissenschaftdes20. Jahrhunderts (1983), S. 30. 109 Alle Zitate: See: Das ,Nordische‘ in der deutschenWissenschaft des 20. Jahr- hunderts (1983), S. 37. 110 Heusler:Germanentum (1934), S. 13undS. 104. IV.3. Archaische Potenzfeiern als Ursprung der deutschenKultur 215
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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