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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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eigenen akademischen Volkskunde nicht von Beginn an vorgezeichnet. Neben der germanistischen Altertumskunde derMuch-Schule gab es in Wien noch zwei weitere Richtungen, die seit der Jahrhundertwende und verstärkt abden1920er JahrenumdieVolkskundekonkurrierten:dieder ,Mythologen‘, die aus Religionswissenschaft, Wagner-Kult und verglei- chenderMythenforschung imUmkreisLeopoldvonSchroeders,der1899 alsordentlicherProfessor fürAltindischePhilologieundAltertumskundevon Innsbruck nachWien berufen worden war, entstand; und die der Eth- nographie,derenersterVertreterMichaelHaberlandtwar,dersich1892in Wien für Ethnographie habilitiert hatte. Alle drei Richtungen wiesen „personell wie ideologisch vielfach Berührungspunkte“115 auf, die sich sowohlinihrenBeziehungenzurAnthropologischenGesellschaft, zumVerein für Volkskunde, zur Jugendbewegung und zumNationalsozialismus zeig- ten;waren aber, wenn es umdieVertretung derVolkskunde anderUni- versitätWien ging, erbitterteGegner.116DenKampf umdieVolkskunde entschied, wie sich zeigen wird, trotz fachlicher und wissenschaftlicher Auseinandersetzungen imEndeffekt doch die Beherrschung der höheren akademischenKabinettskunst. DieWiener ,Mythologen‘ standen der Much-Schule inhaltlich und ideologisch sehr nahe, sie beschäftigten sichmit dem ,nordischenMen- schen‘, mit der indogermanischen und altgermanischen Frühzeit und warenaufderSuchenachder„aine[n]deutsche[n]Kultur“ inderAbsicht, „ain deutsches Volk werden [zu] wollen“.117Während jedoch unter den Much-Anhängern die Auffassung vertreten wurde, dass „mythologische Erzählungen […]nur sekundäreSpiegelungenvonaltertümlichenKulten geheimnisvoller Bünde“ seien, also „der ekstatischeKult immer die Prio- rität vor dermythischen Sage“ hatte, hingman unter den ,Mythologen‘ „der umgekehrtenÜberzeugung“an, dass „alles Brauchtum“nur ein „se- kundäre[s] Abbild vorher ausgebildeterMythen“ sei.118Dass „keine der beidenHypothesen historisch-empirisch zu beweisen war, vor allem die […] Existenz geheimer kultischer Männerbünde in der germanischen Frühzeit nie glaubhaft gemachtwerden konnte“119, störte den Streit zwi- 115 Bockhorn:VonRitualen,MythenundLebenskreisen (1994), S. 477. 116 Zur Frühzeit der Volkskunde an der UniversitätWien vomEnde des 19. Jahr- hunderts bis 1938 vgl. ausführlich Bockhorn: Von Ritualen, Mythen und Le- benskreisen (1994), S. 477–526; ders.: „VolkskundlicheQuellströme“ inWien (1994). 117 Hüsing:Die deutschenHochgezeiten (1927), S.XII. 118 Emmerich:ZurKritik derVolkstumsideologie (1971), S. 153. 119 Emmerich:ZurKritik derVolkstumsideologie (1971), S. 153–154. IV.4. Konkurrenzen undNetzwerke 217
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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