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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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schendenbeidenRichtungennicht, imGegenteil.Amdeutlichsten lassen sichNähe undDistanz der konkurrierendenUnternehmungen an einem Buch zeigen, das der Schroeder-SchülerGeorgHüsing – seines Zeichens „Begründer[ ] derWienerMythologenschule imengerenSinn“120–1927 veröffentlichte.Eshandelt sichdabei umHüsings, fürdie volkskundliche AnhängerschaftwichtigeAufsatzsammlungDiedeutschenHochgezeitenvon 1927.Darin vertrat er,wieLilyWeiser in ihrerDissertation, dieAnsicht, dass der „Sinn“ der deutschen Feste wieWeihnachten, Perchtenlauf etc. durch„falscheAusdeutungenderrömischenKirche“verlorengegangensei und„nunneuerschlossenwerden“müsse.DieseFestewaren selbstredend ausder germanischenVorzeit zu erklären, darinwarman sichnoch einig. Aber, soHüsing, „[a]uf das entschiedenstemüssen wir uns dagegen ver- wahren, daß die deutschenHochgezeiten aus dem Bauernleben hervor- gegangen wären“, vielmehr entstanden sie aus einem – nicht näher be- stimmten – „arischenMythos“.121Eine direkte Reaktion Rudolf Muchs darauf findet sich in einem nachgelassenen, posthum veröffentlichten Aufsatz, in dem er fragte, „womit unsere Feste […] zusammenhängen sollen,wennnichtmitdemBauernleben[…].Wir stoßendabei jaüberall auf alteVegetationsriten […].“122Weisers (und selbstverständlichMuchs) Auffassung, dass deutsches Brauchtumund deutsche Feste auf altgerma- nischeTotenkulte undVegetationsriten zurückzuführen seien, standHü- singsAnsicht gegenüber, dass derMythosderUrsprung allesBrauchtums sei.123 120 Schmidt:Geschichte der österreichischenVolkskunde (1951), S. 134. 121 Hüsing:Die deutschenHochgezeiten (1927), S. 124. 122 Much:Mondmythologie undWissenschaft (1942), S. 243. 123 Diese Auseinandersetzung zwischen den ,Mythologen‘ und der Much-Schule findet seine ideologische Grundlage in den Schriften des Bonner Germanisten HansNaumann,dermitPrimitiveGemeinschaftskultur (1921)undGrundzügeder deutschenVolkskunde (1922) die in der zeitgenössischenVolkskunde populärsten und einflussreichsten Bücher zur Konstruktion eines ,deutsch-germanischen Volkstums‘veröffentlichte.DarinunterscheidetNaumannzwischen ,gesunkenem Kulturgut‘und ,gehobenemPrimitivgut‘, umeine klareGrenze zwischen ,geistig aktiver, historisch bewusster und formbildenderOberschicht‘ und ,nicht indivi- dualisierter, historisch unbewusster, reflexionsloser Unterschicht‘ zu ziehen. Die Much-Leute hieltenNaumann entgegen, dass „das Bild der primitivenGemein- schaft indieser extremenZeichnungkeineswegs richtig“sei,dass es sichdabeium die „städtisch-hochmütigeBetrachtungsweise der ,Geistigen‘“ handle unddass es sehrwohl „Volksgut“ gebe, das „direkt aus der primitivenGemeinschaft stamme []“.Wolfram:GesunkenesKulturgutundgehobenesPrimitivgut(1932),S.187– 188. IV. LilyWeiser (1898–1987)218
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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