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Nach Dr. v. Vest wurden in dem Zeitraum« von 1820
— 1831 jährlich im Durchschnitte 38 l verpflegt, 59 davon
entlassen, es starben 7l,5, somit nur 18,») pCi. Sierblichleit.
Die bedeutende Differenz in der Zayl der Entlassenen
und Verstorbenen erklärt sich aus dem Umstände, daß man
seit dem Jahre 1829 wegen des größern Zudranges nur wirt-
lich Sieche und solche, die unheilbar erscheinen, in der An-
stalt aufnabm.
Naä, einem Durchschnitte aus den Jahren 1838, 1839
und 1840 blieb ein Siecher 253 Tage in der Anstalt, und
kostete für seine Verpflegung allein ?0 fi. 42 V2 kr. oder täg-
lich 1 l-/? kr. Hierin sind aber die Auflagen nicht begriffen,
wclcke die Anstalt sür Besoldung des angestellten Personales
zu machen genötlugt ist. Stall der Natural-Verpflegung kön-
nen die Psründncr ein tägliches Kostgeld von l2 kr. W. W.
beziehen, wenn es der Ordinarius nicht aus Sanitats - Nüct-
sichten für sie nachtlicilig findet.
Offenbar mußten die Verpstegungstosten weniger betra-
gen, wenn die nietcrn Dienstleistungen im Hause bloß von
Siechen verrichtet würden. Uebrigens hinterle bisher die Be-
schränktheit der Localität, ein gewisses System der Beschäfti-
gung für Sieche einnlführen, durch welche der Zweck einer
solchen Anstalt erst völlig erreicht wird; sie soll ihnen nämlich
die Mittel an die Ha»e geben, nach Maßgabe ihrer Kräfte
sich und der Well nützlich zu sein. Für sieche Kinder und
junge Leute, welche ganze Jahre in der Anstalt Zubringen,
ohne die Schule besuchen ;u können, wäre ein passender Un-
terricht im Hause ein wahres Vedürfniß. Erst die großartige
Erweiterung ter Anstalt wird auch in dieser Hiusicht eine
Reform ;u lassen.
Die eigentliche Hausordnung, die in der Anstalt besteht,
ergibt sich aus der Art der Bewohner von selbst. Wenn nicht
Sanitäts-Äücksichlen, die abschreckende Form der Krankheit
cdcr polizeiliche Maßregeln eine Einschränkung nctliig machen,
so ist den Siechen bei Tage freier Ausgang gestaltet. Um je-
den Mißbrauch diefer Freiheit ;u vcrhüthen und dem Bcttcl,-
unwesen m steuern, werden sie durch Beiteln derselben ver-
lustig. Jeder trägt außer der Anstalt die eigene Haustleidung
cdcr ein kennbares Zeichen, daß er sich in einem Wohlthälig-
teitshause befinde. Die Aufrechtlialtung der ganzen Hausord-
nung steht vorniglich dem Wundärzte und Inspicienlen zu,
die in dem Hause wohnen.
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918