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Zwischen den Badezimmern und dem Gchbade trifft man
eine freundliche Halle und ihr zunächst einen kleinen Raum,
den der erwähnte Tampfapparat einnimmt. In dem gegen-
überliegenden Herrschaftshause sind zum Gebrauche für 'Arme
noch zwei Vadetammern, jede mit vier liöNcrncn Wannen
versehen. Das kalte Vollbad bcftudct sich im sogenannten
Tietrichstcin'schen Gebäude und hat eine Ausdehnung von
14 lH Klaftern und eine Tiefe von 4^ 4". Der Boden ist
von Lerchen-, die Seitenwände von Gichenhol; geummert. Aus
jedem Antleide^iinmcr fuhren zwei sogenannte Schncckenem-
gänge ins Bad. Ucbrigens werden Vorrichtungen ,ur Touche,
zu Tropf-, Spritz- und Dampfbädern noch vermißt.
Für die Unterkunft der Badegäste sind ungefähr 60
Zimmer, zum Tdeile mit Kücken disponibel; außerdem wer-
den die Sal»nsäien, im ländlichen Geschinackc gebauten 5
Haussen gewöhnlich an gan;e Fainilien vcrmictet. Vor eini-
gen Iayren, als die Zahl der jährlichen Gäste 3UU kaum
überstieg, fcnlte es daher nicht an Unterkunft; gegenwärtig
aber, da die Vadclistc von 1842 nicht weniger als 59!» In-
dividuen auswies, von denen die meisten sich in den Mona-
ten Juli und August zusammendrängen, ist die Beschränktheit
der Wohnungen ein Hinderniß, das einein weiteren Aufschwünge
des Vades im Wege steht. Uebcrdicß sind die ebenerdigen
feuchten Zimmer im oberen Vadyause aus Sanitäts-Rücksich-
ten tauin verwendbar, und nichts kann einen schlagenderen
Beweis für die Heilkraft des Bades liefern, als daß Kranke
Mit veralteten Leiden, die jene Localilatcn bewclnien, dennoch
Linderung oder Heilung in Tobel fanden. Jedenfalls ist die
Anlage des Vollbades in der Mitte des Nchngebäudes nicht
zu loben, da die Zimmer ebenso durch die beständigen Aus-
dünstungen eines 14 lü Klafter großen Wasserspiegels leiden,
als dieser sowcl zufälligen als muthwilligcn Verunreinigungen
ausgesetzt ist.
Die Preist der Väder, Wchinimmer und der gemein-
schaftlichen Mittagstafel werden jährlich bekannt gegeben, und
sind durchaus so billig gehalten, daß Tobel den Nuf eines
wohlfeilen Vades verdient, eine für den minder Vcmiltcltcn
beachlenswerthc Empfehlung.
Ter schone, im Jahre 1732 erbaute und von Flurer
ausgemalte Speisesaal dient zugleich zur geselligen Unierhal-
tung, so wie die kleine, ein Jahrhundert früher errichtete Kir-
H che zur Andacht der Badegäste. H
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918