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durch das aufgesetzte c der Nmlaut angedeutet werde, ersieht
man daraus, weil Caesar es auch in den Worten: ballen,
Praditanten, häufigen, Geschäfte :c. gebraucht, die
offenbar den Umlaut und nicht das helle a enthalten.
Wollten die Vcrthcidiger der Ansicht, daß die beiden
Pünctchen über dem a wirklich das helle a und nicht den
Nmlaut bezeichnen, in der hier «erhandelten Frage ccnscqucnt
sein, so müßten sie jedenfalls Grätz schreiben, aber es dann
Gratz aussprechen, um nicht mit sich selbst in Widerspruch
zu gerathen und nicht die Nrsachc Nl sein, daß dieser Name
«on Andern ungcdchnt und mit dem tiefen a ausgesprochen
werde. Sollten aber die Gegner daran, aus Rücksicht auf die
derzeit allgemein angcnommcne Schreibweise anderer Worte,
wie z.V. Wässer, Fässer, Wägen, Ärägen, Schrägen
u. s. w. dieses zu thun nicht gesonnen sein, so ist nicht ab-
zusehen, warum man bei dem Worte Grätz allein eine Aus-
nalnne von der sonst derzeit allgemein üblichen Schreibart
machen sollte.
Einer der Hauptgründe, auf welche sich Freiherr von
Hammer - Purgstall ;ur Grwcisung seines Satzes stützte, ist
die Berufung auf den Vclksdialekt. Dieser kann iedcch für die
Rechtschreibung niemals die Regel geben. Die Wäscherinnen
am Gratzbacke, auf die sich Freiherr von Hammer als auf
eine sieggcwährcndc Aulyoiität berief, sprechen ;war allerdings
Gratz; aber die Wäscherinnen der großen iiaiserstadt sagen
auch Wean, das gemeine Volk in Tyrol Schpruck, der
Stciermärter Loim, der Kärntner tovnt, der Oesterrei-
cher Loiprschdoif, Pederschdorf u. dgl. m., und doch ist
es noch Niemanden eingefallen auch so und nicht mehr wie
bisher: Wien, Innsbruck, Leobcn, Lavant, Leobers-
dorf, Verchloldsdorf u. dgl. m. zu schreiben. Wollte man
aus dem Dialekte die Norm für die Schreibweise hernehmen,
so würde die deutsche Sprache in ihren Büchern bald wie die
bunteste Harlctinsjacke aussehen und kein Land das andere
wehr Verstehen.
Freiherr von Hammer - Purgstall berief sich in seinen
Vorträgen auch auf den morgenlandischcn Geographen des
XII. Jahrhunderts Idr is i , der diese Stadt I k r eise oder
Itraisa nenne, was von ihm als ein Beleg für die Schreib-
weise Gratz angcfülnt wurde; allein es fragt sich vor Allem,
ob nickt darunter auch Görtz, das eben so gut zwischen Ber-
gen, wie Gratz an einem Berge liegt, und nicht Grätz ge-
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918