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Handwörterbuch der Philosophie
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Entwicklung. Entwicklung, welche allein auch zeitlich aufzufassen ist. „Die Entwick- lung des Geistes ist Herausgehen, Sichauseinanderlegen und zugleich Zu-sich- (Phil. d. Geschichte, Univ.-BibL, S. 96 f.). Die Natur hingegen ist ein „System von Stufen", „deren eine aus der andern notwendig hervor- geht . . .; aber nicht so, daß die eine aus der andern natürlich erzeugt würde, sondern in der innern, den Grund der Natur ausmachenden Idee. Die Metamorphose kommt nur dem Begriff als solchem zu, da dessen Ver- änderung allein Entwicklung ist" (Naturphilos. S. 32 f.). Eine zeitliche E. von Arten auseinander bestreitet auch SCHOPENHAUER. Die neuere Evolutionstheorie, im Gegensatz zur Konstanztheorie CUVIER) setzt mit den Arbeiten GEOFFROY DE der die E. aus den Einflüssen der Umwelt ambiant") erklärt, und LAMARCKS ein. Die E. der höheren Arten aus niederen ist bedingt durch das Milieu und Kreuzung, besonders aber durch den Gebrauch und Nichtgebrauch der durch die Übung (Gewohnheit), welche durch Bedürfnisse veranlaßt wird die erbliche Vervollkommnung der Organe zur Folge hat (Philos. 1809, deutsch 1903, S. 28 ff., 112 ff.). Gegenüber der CUVIERS lehrt dann CH. LYELL (Principles of Geology) die stetige E. Erde. Endlich begründet CHARLES DARWIN (1859) die Deszendenztheorie als Selektionstheorie (gestützt auf das Bevölkerungsgesetz von Malthus, 1798). E. erfolgt ohne Zweckursachen, auf rein kausalem Wege, als notwendiges Pro- dukt, in der Regel durch Anhäufung kleiner Variationen der Lebewesen, die sich vererben. Die Vermehrung der Lebewesen über das Maß der erreichbaren Lebensmittel hinaus führt zu einem „Kampf ums Dasein" (struggle for zu einem (direkten und indirekten) Wettbewerb um die Existenzbedingungen, in welchem durch die „natürliche Auslese" (natural selection) die begünstigten Individuen und Rassen erhalten bleiben, überleben, während die der Umwelt nicht angepaßten untergehen; auch eine sexuelle Auslese findet statt (s. Selek- tion). Es wirken aber neben der Selektion auch das Milieu direkt sowie die „korrelative Veränderung" der Organe, der Gebrauch und Nichtgebrauch der- selben, die „Migration" (Wanderung). Indem die (spontan auftretenden) Va- riationen immer wieder neu ausgelesen und vererbt werden, gehen in langen Zeiträumen aus Varietäten neue Arten daneben gibt es aber auch Stillstand und Rückbildungen. Alle höheren Tierformen stammen von vier bis fünf Urformen der Mensch hat sich aus affenartigen Vorfahren entwickelt. Die E. beherrscht auch das seelische und sittliche Leben (On the origin of species by of natural selection, 1859; deutsch in der Univ.-BibL; The Descent of Man, 1871; Werke, deutsch von Carus, 1899). Zur Basis seiner ganzen Philosophie macht die E. H. SPENCER, nach welchem das „Überleben des Passendsten" (survivance of the eine, aber nicht die einzige Ursache der organischen E. ist, die besonders durch das sowie durch funktionelle Übung bedingt ist. „Evolution" und „Disso- lution" sind die Form alles Geschehens. Alle E. ist Übergang von einem auf- gelösten, homogenen in einen konzentrierten, heterogenen, von einem unbe- stimmteren zu einem bestimmteren Zustand, Abwechslung von „Integration" (An- sammlung) von Materie plus „Dissipation" (Ausbreitung) der Bewegung und „Absorption" der Bewegung plus „Disintegration" der Materie. Differenzierung und Integrierung sind Phasen des kosmischen, organischen, psychischen, sozialen Geschehens. Der Rhythmus von E. und Auflösung ist ein allgemeiner, 12*
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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