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ixegov evexa, aXXo, „bonum cui, secundum quid, per accidens"; vgl. Eth.
I, 1; I, 4), ferner ein wahres und scheinbares Gut (III, 6, 7; VI, 13).
Alles Wirkliche ist an sich gut; die Güte besteht überall in der Verwirk-
lichung des Naturzwecks (vgl. Arleth, Die metaphys. Grundlagen der
Ethik, S. 39 ff.). Die identifizieren das Gute mit dem Sittüchen im
Sinne des Natur- und Vernunftgemäßen (Diog. Laert. VII, 94 ff.). Ein Gut
ist nur die Tugend (s. d.), während die die Lust als erstes und ur-
sprüngliches Gut bezeichnen (Diog. Laert. X, 129). Nach PLOTIN gibt es
wieder ein „Gutes an sich", ein göttliches Urgutes als Quelle alles Lebens
(Ennead. I, 7, 8).
Auch die mittelalterliche Philosophie kennt ein Gutes an sich, ein „höch-
stes Gut" als Endziel des Strebens; Gott (s. d.) selbst ist das höchste Gut.
Metaphysisch ist das Gutsein eine Eigenschaft alles Seienden („quiquid est,
bonum est": AUGUSTINUS, De vera religione, 21; THOMAS, Sum. theol. I, 5,
3). Gut ist, was seine ihm gemäße Vollkommenheit hat, was allgemein erstrebt
wird („quod appetunt", „inquantum est appetibile", THOMAS, Sum. theol.
I, 5). Metaphysisch ist die Güte der Dinge ihre Übereinstimmung mit dem
göttlichen Willen. Vgl. CATHREIN, Moralphiios. I, 237 STÖCKL, Lehrbuch
d. Philos. II8, 1912; V. COUSIN, DU vrai, du beau et du bien8, 1860.
Auf den Willen beziehen — als Gegenstand des Strebens, Begehrens —
das Gute: HOBBES (Leviathan I, 6), SPINOZA, nach welchem wir nicht etwas
erstreben, weil es gut ist, sondern erst unser Streben etwas zum „Guten"
macht (Eth. III, prop. IX; IV, praef.) und dieses Gute mit dem wahrhaft
Nützlichen, der Erhaltung und Vervollkommnung Dienenden, identisch ist
(Eth. IV). Auch nach CHR. WOLFF ist gut, „was uns und unsern Zustand
vollkommener machet" Gedanken von Gott . . ., I, § 422; Philos.
practica I, § 374). Nach KANT ist „gut", was „vermittelst der Vernunft durch
den bloßen Begriff gefällt" (Krit. d. Urteilskraft I, § 4 f.). Gut ist, was ge-
schätzt, gebilligt wird, was Achtung erweckt (ibid.). Das höchste Gut ist die
Tugend, das vollendete Gut aber schließt auch Glückseligkeit in genauer Pro-
portion zur Sittlichkeit ein. Wir sollen das höchste Gut zu befördern
(vgl. über den „guten Willen": Sittlichkeit; vgl. Unsterblichkeit, Moralbeweis).
Als das dem Willen, Begehren Entsprechende definieren das Gute
SCHOPENHAUER, HARMS, WITTE, PAULSEN, JAMES, GREEN,
Böse, Sittlichkeit) u. a. Als das einem Zwecke, der Erhaltung, Vervoll-
kommnung, Dienende bestimmen es BENEKE, LIPPS, WUNDT, PAULSEN
(System d. Ethik I« 1899, 320), HÖFFDING, SPENCER of Ethics, 1888 ff.,
I, § 8) u. a. Als das Lusterregende betrachten es LOCKE (Essay concern. hum.
unterstand. K. 20, § 2), FECHNER (Über das höchste Gut, 1846, S. 66
SCHUPPE (Grdz. d. Ethik, 1882, S. 19), GIZYCKI, KREIBIG (Werttheorie, 1902,
S. 18 ff.), BECHER (Die Grundfrage der Ethik, 1908, S. ff.) u. a. Als positiv
Wertvolles gilt das Gute bei ULRICI, DÖRING (Philos. Güterlehre, 1888, S. 2,
76), EHRENFELS, C. (Einleit. in d. Ethik, 1901, II, 11, 19) u.
Nach SIMMEL (Einleit. in d. Moralwissenschaft, 1892/93, I, 47) u. a. ist das
Gute das, was verwirklicht werden soll, es ist eine unmittelbare Qualität
Wollens. Vgl. LOTZE, III 1869, 605 ff. (Das Gute als Grund
Seienden); Gesammelte Werke, 1908 f. (Gott ist das Gute, die höchste
Norm); La science positive et la 1907, deutsch
(Das Absolute ist das Gute); BRENTANO, Vom Ursprung sittlicher
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften