Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geisteswissenschaften
Handwörterbuch der Philosophie
Seite - 294 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 294 - in Handwörterbuch der Philosophie

Bild der Seite - 294 -

Bild der Seite - 294 - in Handwörterbuch der Philosophie

Text der Seite - 294 -

294 stieren (vgl. aber Aristoteles, Metaphys. XI, 3). Wie der höhere, allgemeine Begriff dem niederen übergeordnet ist, so besteht auch im Reiche der Ideen eine Über- und Unterordnung: die höchste Idee ist die Idee des Guten (s. d.), die „Sonne im Reiche der Ideen", das Urbild des Seienden, des Wahren und des Schönen, der Urgrund von allem, der eins ist mit der göttlichen Vernunft. Daß Ideen anzunehmen und daß sie objektiv sind, deduziert Platon aus der These: nur das Seiende ist erkennbar, das Nichtseiende nicht; dem begrifflich Erkannten, dem Begriffsinhalt muß also Objektivität zukommen (Republ. V, 478 Aristoteles, Metaphys. I, 6). In einer späteren Periode bestimmt Platon pythagoreisierend, die Ideen als „Zahlen" (Aristoteles, Metaphys. I, 6; XIV, 1; vgl. Phaedo 100 D Symposion 211 B, 247 f.; Parmenides 130 ff.; Republ. C, 507 B, A; Phaedrus 247 51 ff.; Theaetet, Philebus). Vgl. AUFFAHRT, Die platon. Ideenlehre, 1883; NATORP, Ideenlehre, 1903 (N. faßt die Ideen als apriorische „Grundlegungen" der Erkenntnis, als Formen der „hypothesis" auf); N. HARTMANN, Logik des Seins, 1909; S. MARCK, Die platon. Ideenlehre. 1912; J. A. STEWART, Doctrine of L. ROBIN, La theorie platonicienne des et des nombres Aristote, 1908; Grundriß der Geschichte der Philos. 1909. — Die Ideenlehre bekämpft ARISTOTELES; die Platonischen Ideen sind nach ihm nur zwecklose Verdoppelungen der Dinge; es gibt ewige „Formen" (s. d.), aber nicht gesondert von den Einzeldingen, denen vielmehr das Allgemeine (s. d.) immanent ist (Metaphys. I, 9; VII, 13; Analyt. poster. I, 11). Während den Stoikern die Ideen als bloß subjektive Begriffe gelten werden sie bei PHILON ZU geistigen Kräften, durch welche Gott die Materie gestaltet (De II, 126), bei PLOTIN ZU Bestandteilen, Inhalten des aus dem göttlichen „Einen" hervor- gehenden „Geistes" (vovg), die als geistige Kräfte in den Dingen wirken (Ennead. III, 9; IV, 8, V, 9, 8 ff.; vgl. Falter, Die Idee bei Philo und Plotin, 1908). Im Mittelalter gelten die Ideen meist als die im göttlichen Geiste wesen- haft und zeitlos bestehenden Urbilder der Dinge, nach welchen Gott alles ge- staltet hat. So sind die Ideen nach AUGUSTINUS die Urformen der Dinge („ideae principales formae quaedam vel rationes stabiles atque incommu- . . . quae in divina continentur", De divin. qu. 46). Nach THOMAS sind sie Musterbilder, Gründe der Dinge („formae exemplares", „rationes rerum", Sum. theol. I, 14; I, 44, 3 c). — Nach WILHELM VON OCCAM sind die Ideen nicht etwas Reales, Selbständiges („subiective et realiter") in Gott, sondern nur Inhalte des göttlichen Intellekts sunt in ipso obiective, tanquam quaedam cognita ab ipso"), und zwar gibt es nur Ideen von Einzeldingen. Ideen als Urbilder der Dinge nehmen ferner ECKHART, NICOLAUS CUSA- PATRITIUS, PICO, FICINUS, AGRIPPA, MARCUS HIRNHAIM, R. CUDWORTH u. a. Nach MALEBRANCHE sind die Ideen der Dinge in Gott, dem Unendlichen enthalten und wir erkennen die Dinge mittelst der Ideen, deren Gegenstand die Ausdehnung des Unendlichen ist („obiectum idearum est extensio xov infiniti, immutabilis et incommensura- ex cuius intuitu formamus quidquid adspicimus, sive intra sive extra nos"; vgl. Recherche de la II, 1). Auch nach BERKELEY sind die Ideen der
zurück zum  Buch Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Handwörterbuch der Philosophie