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Handwörterbuch der Philosophie
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Notwendigkeit. werden. Nicht das Dasein der Dinge, sondern ihres Zustandes kann (aus anderen Zuständen) als notwendig erkannt werden. Daher liegt das Kriterium der N. nur in dem Gesetze der möglichen Erfahrung, „daß alles, was geschieht, durch seine Ursache in der Erscheinung a priori bestimmt sei". Die N. be- trifft nur „die Verhältnisse der Erscheinungen nach dem dynamischen Gesetze der Kausalität". „Alles, was geschieht, ist hypothetisch notwendig; das ist ein Grundsatz, welcher die Veränderung in der einem Gesetze unterwirft, d. i. einer Regel des notwendigen Daseins, ohne welche gar nicht einmal Natur stattfinden würde" (Krit. d. rein. Vern., S. 202 ff.). Nach SCHOPENHAUER ist N. soviel wie „Folge aus einem gegebenen Grund", Abhängigkeit, Gesetztsein durch ein anderes. Das Notwendige „ent- steht und besteht also einzig und allein durch Anwendung des Satzes vom Grunde" (Die als Vorstellung u. Wille, I. Bd.: Krit. der Kantschen Philosophie; Vierfache Wurzel, K. 8, § 49). VgL W. ROSENKRANTZ, Die Wissen- schaft des Wissens, 1868, II, 127 f., 232 ff. — Nach HEGEL ist die N. die Wirklichkeit" (Enzyklop. § s. Dialektik). Nach TRENDELENBURG die N. eine „Tat des Denkens", eine Doppelbildung, in welcher das Denken mit dem Sein verschmilzt (Geschichte der Kategorienlehre, 1846, S. 378). „Wenn alle Bedingungen erkannt sind und demnach die Sache aus dem Grunde verstanden wird, so daß das Denken das Sein völlig durchdringt: so gibt das den Begriff der Notwendigkeit" (Logische Untersuch., 1870, II2, 165). Nach HUSSERL ist die N. „Sein auf Grund objektiver Gesetzlichkeit" (Log. Untersuch., 1900/01, II, 235). — VgL MARTY, zur Sprachphilos. I, 1908; H. BERGMANN, zum Problem d. Evidenz d. inn. Wahrnehm., 1908. MEINONG und HÖFLER zählen die N. zu den Nach TH. LIPPS beruht sie auf gegenständlich bestimmten Forderungen, aus denen sich die Anerkennung ergibt (Einheiten u. Relationen, 1902, S. 72 ff.); vgl. VOLKELT, u. Denken, 1886, S. 140 f.; RICKERT, Der Gegen- stand der Erkenntnis, 1904, S. 61 ff. („Urteilsnotwendigkeit"); DRIESCH, Ord- 1912. Daß in der neben der N. auch „Kontingenz" (s. d.) besteht, lehrt BOUTROUX; die strenge N. gehört nur der abstrakt-mathematischen fassung an (Der Begriff des Naturgesetzes, 1907, S. 18 ff., 129). Nach BERGSON ist nur der praktischen Zwecken der Lebenserhaltung dienende Verstand (s. d.), der das Geschehen als notwendig, determiniert auffaßt (vgl. Matiere et 1910, S. 234 f.; vgl. Willensfreiheit). Die Materie, der N. unterworfen, wieder- holt unaufhörlich das Vergangene, eine Reihe homogener, äquivalenter Momente, ohne Neues (1. c. S. 249). Ähnlich JOEL, nach welchem die N. durch die Perspektive unseres Willens bedingt ist (ähnlich NIETZSCHE). Das Notwendige, Unfreie ist nur gebundene, gehemmte, einseitig gewordene Aktivität (Der freie Wille, 1908; 1912; vgl. Willensfreiheit). Nach L. W. STERN beruht die N. auf der „konkreten Beschaffenheit zielstrebiger Seiender selber" („teleologischer Determinismus"; Person u. Sache, 1906, I, 262). — H. GOM- PERZ unterscheidet das Gesetzmäßige („was sich ausnahmslos wiederholt") vom Notwendigen („dessen Gegenteil unmöglich ist"). Nicht alles Gesetzmäßige läßt sich als notwendig betrachten, so nicht die aktive Willenstätigkeit, die nichts Erlittenes ist. Notwendig im dynamischen Sinne sind nur passive Bewegungen Problem der Willensfreiheit, 1907, S. ff.; Willensfreiheit). — VgL G. E.
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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