Seite - 585 - in Handwörterbuch der Philosophie
Bild der Seite - 585 -
Text der Seite - 585 -
Seele.
2, 404 a 1 ff.). Die S. besteht aus den feinsten, beweglichen, runden
welche den Feueratomen gleichen und den ganzen Körper durchdringen (1. c.
I 2, 404 a 1 ff.). Ähnlich lehren später die Epikureer, nach welchen die
etwas Luftartiges enthält (Diog. Laert. X, 63 ff.; LUCREZ, De rerum
III, 161 ff.). — Als „Harmonie" des Leibes bestimmen die
goreer die Seele (Aristot., De anima I 4, 407 b 27 ff.), auch als sich selbst
wegende Zahl (1. c. I 2, 404 b 27; Stob. I, 794: ALKMAION; vgl.
'Aristot., De anima I 2, 18 ff.); so auch XENOKRATES (Stob. Eclog.
862). Eine Harmonie ist die S. nach DIKAEARCH (Stob. Eclog. I, 796),
„Stimmung" (intentio) des nach ARISTOXENOS (CICERO, disput.
I, 10, 20). Nach den Stoikern ist die S. ein Ausfluß der
lichen Weltseele (s. d.) oder des alles durchdringenden „Pneuma" (s. d.).
ist das uns eingeborene Pneuma (xb nvevpia, Diog. Laert.
156), eine Art ätherisches Feuer (vgl. CICERO, De natura deorum III, 14,
nvevpia Diog. L. VII, 157).
Immateriell ist die S. nach PLATON. S. ist Lebensprinzip
xov Cratylus D), besteht aus einem Unteilbaren und Teilbaren;
ersteres hat sie Teil an den „Ideen" (s. d.), in deren sie vor der
war (s. Präexistenz) und mit denen sie verwandt ist (vgl. Theaet. 35 A;
245). Der Leib ist der Kerker der S. 400; Phaedr. 247 c, 250). Die S.
ist unkörperlich, aber sich selbst und ihren Leib bewegend
hat drei „Teüe" (s. vermögen). Immateriell, aber mit dem Leibe ver-
bunden (trennbar ist nur der Geist, s. d.) ist die S. nach ARISTOTELES, der
als „Form" (s. d.) des Organismus, als „Entelechie" (s. d.), als sich selbst verwirk-
lichendes Prinzip des Lebens und Bewußtseins, als die Kraft zur Lebens-
Bewußtseinstätigkeit, welche die „Funktionsverwirklichung" organischer Po-
tenzen ist, bestimmt. S. ist die „erste Entelechie eines
Körpers" e'xovxog, De anima
II 1, 412 a 412 b 4). Sie ist Ursache und Prinzip des lebenden
das, wodurch wir leben, empfinden und denken (1. c. II 1, 12 f.; 415b 8).
In den Pflanzen ist sie nur vegetative Seele in den Tieren auch be-
gehrend, und bewegend, im Menschen kommt „von außen"
der Geist (s. d.), die Vernunftseele hinzu, welche allein vom
trennbar, unsterblich ist (1. c. II 2, 30 ff.; II 2, 413 b 26). aus
Lampsakos bindet auch den Geist an den Leib, durch dessen Tätigkeiten
Seele bedingt ist, deren Funktionen „Bewegungen" sind ad
Phys. f. 225).
Mehr im Sinne PLATONS fassen die S. auf PHILON (Opera, 1896 ff.),.
nach welchem die S. ein Sprößling der Weltseele (s. d.) und
eine „Emanation" (s. d.) des göttlichen „Einen" ist; die S. ist immaterielle Sub-
stanz, einfach, nur hinsichtlich des Leibes, den sie umfaßt und durchdringt —
der Leib ist in der Seele, nicht die Seele im Leibe — geteilt; der Leib ist
Organ (Ennead. IV, 2 ff.). Immateriell ist die S. auch nach PORPHYR (Stob.
I, 818), PROKLUS theol. 15), PLUTARCH von
U. a.
Die Tendenz, die Seele als aus einer Art feinsten Stoffes bestehend zu
denken, macht sich wieder im frühen Mittelalter geltend. So bei dem von den
Stoikern beeinflußten Patristiker nach welchem die S. aus-
gedehnt, gestaltet, mit Organen versehen, ein den Leib
zurück zum
Buch Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften