Seite - 123 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
Durch das gleichzeitige Ende von osmanischer Bedrohung und veneziani-
scher Dominanz – die auchmit demNiedergang der seit der Antike die See-
kriegsführung imMittelmeer dominierenden Galeerenflotten und der wach-
sendenBedeutungvonkampfstarkenSegelschiffeneinherging–18gewannendie
AdriahäfenTriestundRijekaanstrategischerundwirtschaftlicherRelevanzfür
dasHabsburgerreich.UmdenHandel zu fördern,wurdeTriest 1719zumFrei-
hafenerklärt. IndieseZeit fielenauchdieerstenVersuche, eineösterreichische
Marineaufzubauen.19
Dennoch sollte die Bedeutung der habsburgischenAdriahäfen im 18. Jahr-
hundertnichtüberschätztwerden.Sohattedieersteösterreichischeostindische
Handelskompanie,dievon1722bis1731bestehendeOstenderKompanie, ihren
Sitznicht inTriest, sondern immehr als 1.000Kilometer vonWienentfernten
NordseehafenOstende(Oostende)indenÖsterreichischenNiederlanden.20Und
dies trotz der erheblichen strategischen Nachteile der habsburgischen Nord-
seehäfen:NachdemSpanischenErbfolgekrieg (1701–1714) als Exklave andie
österreichischeLiniedesHausesHabsburggefallen,warendieÖsterreichischen
NiederlandevondenübrigenhabsburgischenLänderngeografischgetrenntund
imKriegsfall –obgegenFrankreichoderdieRepublikderVereinigtenNieder-
lande–kaumzuverteidigen.Dazukamdie fortwährendeniederländischeBlo-
ckadederSchelde,diedieNutzungAntwerpens,desmitAbstandbestenHafens
desLandes, verhinderte.21
Durch die Erschließung des Semmering-Passes ab 1728 bestand zwischen
Triest unddemnur350Kilometer entferntenWien erstmals einedirekte Stra-
ßenverbindung. Durch die Verkehrsanbindung ans Ostalpengebiet nahm die
wirtschaftliche Bedeutung Triests erheblich zu, und erst durch den Bau der
PassstraßewurdederFreihafenzueinemernsthaftenKonkurrentendesnurgut
100 Kilometer entfernten Venedigs.22 Entscheidend für den Aufschwung war
auchdie langeFriedensperiodeimAdriaraum:DerKriegvon1714bis1718war
derletztezwischendemOsmanischenReichundderRepublikVenediggewesen.
Diebis 1797währendeFriedensperiode sollte auchdurchdenRussisch-Öster-
18 JanGlete,Navies andNations:WarshipsNavies andStateBuilding inEuropeandAmerica
1500–1860, Bd.1 (Acta Universitatis Stockholmiensis. Stockholm Studies inHistory, 48),
Stockholm1993,S. 305–309.
19 Siehe etwa Renate Basch-Ritter,Österreich auf allen Meeren: Geschichte der k. (u.) k.
Kriegsmarinevon1382–1918,Graz1987,S. 37f.
20 SiehedazuMichael-W.Serruys,ThePort andCityofOstendand theProcessofStateCon-
solidation in the Southern Netherlands in the Seventeenth and Eighteenth Centuries. A
GeopoliticalApproach, in: International JournalofMaritimeHistory19(2007),S. 319–348.
21 Serruys,ThePortandCityofOstend(wieAnm.20), S. 321–326.
22 Siehe dazu Eva Faber, Trieste and the Austrian Littoral 1700–1850, in: Luc FranÅois/Ann
Katherine Isaacs (Hg.), The Sea in EuropeanHistory (CLIOH’sWorkshop, 1), Pisa 2001,
S. 57–70,hierS. 57–58.
DerDrangnachSüden 123
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918