Seite - 246 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
solcher aberkooperiertenderösterreichischeundderungarischeMusikerver-
band seit längerem weitgehend friktionslos, nachdem sie sich 1905 auf ein
„Uebereinkommen“ zum „Schutze der gegenseitigenwirtschaftlichen Interes-
sen“geeinigthatten.60
HerausforderndesozialeundsprachlicheDiversität
Doch wie integrativ wirkte der Oesterreichisch(-Ungarisch)e Musikerverband
nach innen?FormalbetrachtetwurdeniemandvonderBeitrittsmöglichkeit zu
einemVerbandsverein ausgeschlossen61 – auchMusikerinnen nicht. Schon in
den ersten Verbandsstatuten von 1895 wurde in §3 festgelegt, im Verband
würden sich Musikervereine der österreichisch-ungarischen Monarchie zu-
sammenschließen, „derenMitglieder nicht nurMusiker, sondern auchMusi-
kerinnen sein können.“62Auf den ersten Blick kann demVerband also eine
integrative Wirkung zugesprochen werden: Er ermöglichte Musikerinnen
theoretischdie arbeitspraktischeGleichstellungmitMusikern. Theoretisch je-
dochdeshalb,weilmusizierendeFrauen indenVereins-undVerbandsgremien
gar nicht vertretenund in der Berichterstattung derMusikerzeitung –weiter-
hin– massiv unterrepräsentiert waren. Außerdem verstärkte sich durch die
zunehmende Institutionalisierung der Musiker/-innenbewegung die ohnehin
schonmassiveMarginalisierung vonMusikerinnen auchhinsichtlich derMit-
gliederzahlen: waren 1896 von den 648Mitgliedern elf weiblich,63 zählte der
Verband 1906 18Musikerinnen – bei einem Bestand von 2857Mitgliedern.64
Insofern stelltederVerband inpraktischerHinsicht trotz anderslautender sta-
tutarischerFormulierung,die eineArtGleichberechtigungsuggerierte, fürden
Großteil der im Territorium der Monarchie tätigen Musikerinnen eine be-
trächtliche arbeitsorganisatorischeHerausforderungdar, da sichmusikalische
ArbeitdurchdenVerbandals einemännlicherPrägung institutionalisierte.
einandergegenüberstellte:dort istHermannstadt sowohl für1914als auch1918alsZweig-
verein aufgeführt, vgl. OeMZXXVI/8 (1.6.1918), S. IV [Protokoll der XI. ordentliche[n]
Delegiertenversammlungvom27.und28.März1918].Hiergilt esnochzurekonstruieren,
wann (und obüberhaupt) diese Zweigvereine in denVerband ein- bzw. ausgetreten sind.
60 OeMZXIII/31 (4.8.1905), S. 191.
61 DieswardieVoraussetzung,umauchVerbandsmitgliedzusein–einedirekte, individuelle
Verbandsmitgliedschaft war nicht möglich, was immer wieder zu internen Auseinander-
setzungen führte.
62 Wiener Stadt- undLandesarchiv,M.Abt. 119,A32–GelöschteVereine: 2624/1920 [Öster-
reichisch-(ungarisch)er Musikerverband], Statut des Oesterr.-ungar. Musiker-Verbandes
[1895].
63 OeMZV/3(1.2.1897), S. 17.
64 OeMZXV/9(1.3.1907), S. 75.
FritzTrümpi246
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918