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Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603 bekenntnissen. Eine sprachlicheÖffnung des Verbandes und seines Organs scheiterteschonanganzpraktischenProblemen,wiedieVerbandsleitungauch offenzugab:„DasHaupthindernißbestehtindemMangeleinerderczechischen Sprache inWort und Schriftmächtigen Person,welche zur Führung der Cor- respondenzenunumgänglichnothwendig ist.“83DieseBemerkungwirftFragen auf. Jene etwa, inwiefern die Übersetzung von Korrespondenz auch einen Kontroll- und damit Machtverlust für die Wiener Verbandsleitung bedeutet hätte.UndobdarineinGrunddafür zuerkennen ist, dassdieVerbandsleitung einer stärkeren Einbindung nicht-deutschsprachiger Musiker/-innengruppen skeptisch gegenüberstand, umdieWienerVormachtstellung in derVerbands- konstruktionnicht zugefährden.84 Feststehtjedenfalls,dassderMusikerverbanddurchseineUnbeweglichkeitin der Sprachenfrage – und darin besteht wiederum eine großeÄhnlichkeit zur überregionalenArbeiter/-innenbewegung85 – bald in einDilemma schlitterte. TschechischsprachigeMusiker/-innenwaren fürdenVerband längerfristignur zugewinnen,wenndieserundseinOrgansprachlichdiversifiziertwurden.Eine sprachlicheDiversifikationhingegenhieltdieVerbandsleitunggemäßoffizieller Darstellung erst dann für angezeigt, wenndenZweigvereinenunddamit dem VerbandeineausreichendhoheZahlnichtdeutschsprechenderMusiker/-innen angehören sollte.Diese ergebnisoffenePositionderVerbandsleitung führte zu einemjahrelangschwelendenKonfliktzwischenVertreternvonein-, zwei-oder auchmehrsprachigenLösungenfürdasOrganunddieGremiendesVerbandes. Und je stärkerderVerband anwuchs, desto vielstimmigerwurdenLösungsan- sätze dieser Frage diskutiert. Die Verbandsleitung konnte sich nicht dazu durchringen, vomPrimatderEinsprachigkeit derMusikerzeitungabzurücken. AlsGrundpositionindieserFragekanneineFeststellungderZeitungsredaktion vomDezember 1900 als repräsentativ gelten.Diese reagierte darin auf die Be- merkungeinesVerbandsmitglieds, imFallederEinführungvonZweisprachig- 83 OeMZIV/19(01.10.1896), S. 95. 84 Vgl. nur schondasoben erwähnte Stimmenverhältnis bei der konstituierendenVersamm- lung:WienhattenichtnurmitAbstanddiemeistenMitglieder,sonderninderFolgeauchviel mehrDelegierte als die anderenZweigvereine. EinWeiterdenkenderProblematik indiese Richtung dürfte, gerade auchmit Blick auf das inzwischen gut erforschte Verhältnis von TranslationundMacht,aufschlussreichsein.EinprofunderForschungsüberblickbeiMaria Tymoczko/EdwinGentzler, Introduction, in:dies.,TranslationandPower,Amherst2002,S. XI–XXVIII. FürdieÜbersetzungspraxis inder spätenHabsburgermonarchievgl.Michaela Wolf,DievielsprachigeSeeleKakaniens.ÜbersetzenundDolmetschen inderHabsburger- monarchie1848bis1918,Wien2012. 85 HansMommsen zeigte auf, dass innerhalb der überregionalenArbeiterbewegung die Be- deutungderZweisprachigkeit (beiMommsen„Doppelsprachigkeit“) etwaderParteipresse ebenso wenig erkannt wurde wie das Potential einer paritätischen Besetzung der Füh- rungsgremien,umnationaleGegensätzezuverhindern.Vgl.Mommsen,Nationalitätenfrage (wieAnm.29), S. 88. HerausforderndeMusiker/-innenorganisation 251
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Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
Titel
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Untertitel
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
Autoren
Wolfram Dornik
Bernhard Bachinger
Stephan Lehnstaedt
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-1060-3
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
362
Schlagwörter
KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
Kategorien
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