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Funktionäre: Journalisten und Thema der Berichterstattung 171
langjährigenVerbandskapitänundGeneralsekretärdesÖFBwarder Journalis-
mus über viele Jahre nicht nur ein Tor zur Öffentlichkeit, sondern auch eine
wichtige Einnahmequelle. Zwar absolvierte er eine berufliche Ausbildung als
Bankbeamter undübte diesenBeruf auch aus. Doch bereits in derMonarchie
schriebMeisl für das Fremdenblatt, gegen Ende des ErstenWeltkriegswar er
imKriegspressequartier tätig, erwird indenAktendesKriegsministeriumsals
Bankbeamter, zuletzt 1918dannnebenbei auchschonals „Redakteur“ geführt
undgabähnlicheBerufsbezeichnungenauch selbst an.35
Funktionäre: JournalistenundThema
derBerichterstattung
EswarwohlnichtzuletztderModernitätdesSporteszuverdanken,dassdieses
junge gesellschaftliche Terrain nochwenig ausdifferenziert war: ImWien der
Zwischenkriegszeit waren die Verbindungen von aktivemSport, Sportfunktio-
närstum und Sportjournalismus erstaunlich eng. Viele Sportschreiber waren
zuvoraktiveAthletengewesen,vieleübtendannspäterneben ihrer schriftstel-
lerischen bzw. journalistischen Tätigkeit auch noch ein – meist ehrenamtli-
ches–FunktionärsamtbeieinemVereinaus.DerKonnexvonaktivemSportge-
schehenundderSportrepräsentation indenMediengestaltete sichweit enger
alsheute.WerüberSportschrieb,besaßmehrheitlichaktiveSporterfahrungen,
was wiederum die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung positiv beeinflusst
habendürfte.36
Andererseits war die Personalunion Journalist/Funktionär wegen mögli-
cher Interessenskonfliktenichtunproblematisch–etwa inderFußballbericht-
erstattung. Für gegnerische Vereine boten diese (angeblichen oder tatsächli-
chen) Unvereinbarkeiten häufig Anlass zu Kritik. So beschwerte sich der
SCWacker beim Sport-Tagblatt, dassWilly Meisl, nicht nur Redakteur dieser
Zeitung, sondern auch Amateure-Sektionsleiter, einen Spielbericht über ein
Spiel Wacker gegen Amateure verfasst habe. Das Sport-Tagblatt umging die
Frage der Unvereinbarkeit mit der Antwort, nichtMeisl, sondernMax Leuthe
habedenSpielberichtverfasst.37Auseinandersetzungenwiediesezeigen–un-
35 Hafer,Hafer,Meisl, 74.
36 Im Gegensatz dazu wird für die Zeit nach 1945 geradezu das Gegenteil postuliert, wenn
ehemaligen SportlerInnen „journalistische Inkompetenz“ nachgesagtwird. Vgl. RoderichRei-
fenrath,Kaiserschmarrn.DerFußballerals Journalist. In:ChristinaHoltz-Bacha (Hg.), Fußball,
Fernsehen, Politik (Wiesbaden 2006) 249–261.
37 Sport-Tagblatt (26. 10. 1922) 5.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918