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Nach 1918
Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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204 8 Konflikte „Das ist einmal richtige GrazerMundart. Freilich läßt dieseAussage desHerrnHartl die Frageunbeantwortet, obHerrKurtz seinenTitel zurückgelegthabe, ‚weil er Jude ist‘ oder deshalb, weil der Sp. C. Herkules den Spruch der Jury ‚nicht anerkannt hat.‘ Aber viel- leicht ist dieser Zweifel damit zu erklären, daß Herr Hartl auch bei Gericht eine mehr deutschnationale als deutscheSprachegeführt zuhaben scheint.“90 ImNeuenWiener Journal dagegen fehlt jeglicher Hinweis auf die antisemiti- scheKomponentederAuseinandersetzung,genausowie imNeuenGrazerTag- blatt.91 EinenanderenAspekt bringt das Illustrierte Sportblatt ins Spiel: „Ein recht unerquicklicher Sportprozeß, der hier inWien vor demordentlichenGerichte ausgetragenwurde,endetemitderVerurteilungderbeidenangeklagtenGrazerKlubfunk- tionäreundeinProtest derGrazer Ringer gabGelegenheit zu einigen recht unpassenden BemerkungenderGrazer.DiebeidenVorfälle sindaufdas lebhafteste zubedauern,denn sie zeigen noch immer, daß die Grazer in ihrer Auffassung vom Sport noch nicht sehr weit vorgeschritten sind. Die kleinliche Art, sich immer übervorteilt zu sehen und dem Gegner,besonderswenner Jude ist, stetsdasSchlechteste zuzutrauen,kannbeimbesten Willennicht als vornehmbezeichnetwerden.“92 DieserHinweisaufeineprovinzielle, angeblichspezifischGrazerFormdesAn- tisemitismus findet sich im IllustriertenSportblattauch inanderenZusammen- hängen,etwabeidenVersuchen imsteirischenFußballverbandeinenArierpa- ragrafen einzuführen. Am 23. Juli 1923 verteidigte Kurtz unter beträchtlichem Medieninteresse schließlich erfolgreichdenTitel gegenRoß: Soberichtetedas Sport-Tagblatt auf der Titelseite, das Interessante Blatt zeigte eine Fotografie desKampfes.BeidennächstenMeisterschaftenimNovember1923gewannRoß denTitel,Kurtznahmnicht teil,weil erwegenStreitigkeitendenVerbandver- lassenhatteundzudenProfessionalsgewechseltwar.93EinigeZeitungsartikel zeigenKurtz auch inanderenFällenalsdurchaus streitbarenMann, vor allem in verbandsinternen Angelegenheiten. In denweiteren Artikeln bis 1938 gibt es aber keine explizitenHinweise auf jüdischeDifferenz,Kurtzwirdweder als Judebezeichnet,nochwerdenihmEigenschaftenzugeschrieben,die jüdischen Stereotypenentsprechen.94 Fürdie IllustrierteKronen-Zeitung ist er „Wienspo- 90 Sport-Tagblatt (18. 1.​ 1922) 5. 91 NeuesWiener Journal (18. 1.​ 1922) 9;NeuesGrazer Tagblatt (20. 1.​ 1922) 6. 92 Illustriertes Sportblatt (28. 1.​ 1922) 3. 93 Z.B. Illustriertes Sportblatt (14. 2.​ 1923) 12; Sport-Tagblatt (5. 11.​ 1923) 11. 94 DieseAussage basiert auf derAnalyse einer Stichprobe von 50der insgesamt 393Artikel, diemittelsVolltextsuche inANNO−AustriaNNewspapersOnlineunddemSuchbegriff „Willy Kurtz“ zwischen31.Mai 1922und 11.März 1938gefundenwurden.Damit kann zwarnicht die komplette, aber dochdieweitgehendeAbwesenheit gezeigtwerden.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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