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Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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Publikumsausschreitungen 213 dedie Zuschreibung freilich oft auf konkrete PersonenoderGruppen (Spieler, Schiedsrichter oder bestimmte Publikumssegmente) konzentriert. In diesem Kontext erweist sich speziell die Tribüne als wichtiger Ort, an demKonflikte aufbrechenoderzumindestdort lokalisiertwurden.Eswarenabernicht iners- ter Linie der Stehplatz, dieBesucherInnenmit billigenKartenoder gar die Ju- gendlichen, die für diemeistenEskalationenverantwortlich gemachtwurden, sonderndieBesucherInnenaufdenbesserenPlätzen.Soschreibtdas Illustrier- te Sportblatt schon imJahr 1923: „DieserTerror ist abscheulichundwennman genau zusieht, wird man finden, daß er immer von dem Tribünenpublikum seinenAnfangnimmt.Hier, auf den gedecktenPlätzen, sitzendie Klubfanati- ker, die anallemUnheil schuld sind.“133 Zu fragen ist imSinne von jüdischerDifferenz freilich,wer da auf der Tri- büne fürKonflikteverantwortlichgemachtwurde:Eswaren„die Juden“.Dazu schreibt das Illustrierte Sportblatt: „Eine scharfe Bewachung der Tribüne und rücksichtsloser Hinauswurf der Provokateure, auch wenn sie in Stadtpelzen erschienen sind,wäre in denmeisten Fällen ein ausreichendesMittel, um ei- nendrohendenSkandal imKeimezuersticken.“134Ganzähnlichklingteseine Woche später: „Eswird also fallweise zu erwägen sein, ob nicht die Ausgabe von Tribünenkarten zu sistieren wäre. In besonderen Fällen könnteman die VerabfolgungvonKartenanBesuchermitAutoundStadtpelzverweigern.Aus unseren langjährigenErfahrungenherauswissenwir,daßdieseinehöchstan- gebrachteundwirkungsvolleMaßregelwäre.“135 InderZwischenkriegszeitwa- ren die Attribute „Auto“ und „Stadtpelz“ unschwer als antisemitische Chiffre erkennbar.DerHakoah-RingerMick(e)yHirschlberichtetvoneinemZwischen- fall, bei dem ihn seinStadtpelz als Jude „erkennbar“ gemachthabe: „Ich habe so einen Stadtpelz angehabt und trug einen steifen Hut. Ich war so elegant angezogen,weil ichdochvorher inder Synagogewar.Obwohl ichgarnicht jüdischaus- sah, war ich offenbar durch die Kleidung als Jude erkennbar. Als wir nun so gingen, kamen drei Nazis, haben gestänkert und zumeiner seligen Frau gesagt: ‚Was gehst du mit dem Juden?‘“136 Nicht bei jedemKonflikt imSportstadion, aber dochüberraschend oft, wurde „die Tribüne“alsAuslöser gesehen,und zwar einebestimmteKlientel auf der 133 Illustriertes Sportblatt (17. 2.​ 1923) 9. 134 Illustriertes Sportblatt (17. 2.​ 1923) 9. 135 Illustriertes Sportblatt (24. 2.​ 1923) 5. 136 Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, Nikolaus „Mickey“ Hirschl: Prügeleienmit denNazis, online unter https://www.doew.at/erinnern/biographien/erzaehlte- geschichte/antisemitismus-vor-1938/nikolaus-mickey-hirschl-pruegeleien-mit-den-nazis#​ n​ i​ k​ ol​ a​ u​ s%​ 20hirschl (4. Juli 2018).
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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