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Nach 1918
Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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Konflikte aus zionistischer Perspektive 219 aber auch enormen Stolz an den Tag, wenn andere „jüdische“ Funktionäre bedeutende Leistungen vollbrachten, etwa Hugo Meisl oder der langjährige Präsident des ÖFB Ignaz Abeles. So hieß es im Herbst 1925, „daß der große Aufschwung des Fußballsports in Österreich zumgroßen Teil der unermüdli- chen Arbeit Meisls zu danken ist“. Abeles wurde als „langjährige[r] und ver- dienstvolle[r] Faktor im österreichischen Fußballsport“ bezeichnet.157 Bei der Abspaltung des Allgemeinen Fußballbunds vomÖFB imSommer 1926wurde ausführlich auf zahlreiche jüdische Funktionäre im Wiener Landesverband verwiesen: VonAbeles bisMeisl und von Gerö bis Sigmund Ringer, Hans Fi- scherundEmanuel Schwarz säßen sie anwichtigenPositionen.158 GeradeHugoMeislwurde,obwohlersichalsdezidierterGegnerdesZionis- muspräsentierte, gelobt undgegenantisemitischeAngriffe verteidigt. Entrüs- tet kommentiertwurde inder zionistischenPressedaherdasangebliche „Kes- seltreiben“gegenMeisl nachder Fußball-WM1934: „Daßman sich zumSchimpfen den Feldherrn, der die Schlacht verloren hat, aussucht, ist nicht ungewöhnlich. Aber diesmal tobt sich der Antisemitismus aus.Wir wollen für denVerbandskapitänHugoMeislkeineLanzebrechen.Essollauchnichtuntersuchtwer- den,wasMeisl fürdas Judentumbedeutet,wasMeislmit demJudentumgemeinhatund was das Judentum von und durch Meisl schon profitiert hat. Aber von dem schnöden Undank undder Rohheit an ihmmußman sprechen.Wer amSonntagmit der Straßen- bahn in dasWiener Stadion fuhr, hatte allzu viel Gelegenheit, die ‚Vertreter derMassen‘ zuhören. ‚Nurder JudHugoMeisl ist anallemschuld […]‘.Meisl unddas Judentumsind plötzlich eines geworden.“159 Auch drei Jahre später, beim nach jüdischem Ritus begangenen Begräbnis Meisls,wurdesein Judentumbetont: „DasLeichenbegängnisgestaltete sichzu einergrandiosenKundgebungfürdenjüdischenSportführerundSportenthusi- asten […] [D]enNachruf hielt Oberrabbiner Taglicht, der denVerstorbenenals österreichischen Juden imschönstenSinndesWortes charakterisierte“.160 WennandereFunktionäredasEtikett „jüdisch“erhielten,wurdensiehäu- figmit teilsbedauerndem, teils sarkastischemUntertonbeschrieben,oftwurde ihr „Judentum“unterAnführungszeichengesetzt: Sohätten imLeichtathletik- verband, wo die „Israeliten der ‚gemischten‘ Vereine […] um ihre Mandate“ zitterten, manche Funktionäre wohl nur vorübergehend ihr „Judentum“ ent- deckt, wenn sie gerade die Unterstützung der Hakoah benötigten.161 Nicht 157WienerMorgenzeitung (14. 11.​ 1925) 8; (24. 11.​ 1925) 8. 158WienerMorgenzeitung (7.8.​ 1926, 8); (12.8.​ 1926) 8. 159 DieNeueWelt (22.6.​ 1934) 8. 160 DieNeueWelt (23. 2.​ 1937) 4. 161WienerMorgenzeitung (1. 2.​ 1922, 7); (5. 2.​ 1922) 13.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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