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Nach 1918
Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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302 10 Nach dem „Anschluss“ gen.NachdreimonatigerTätigkeitbeidemFussballklub ‚Austria‘wurdeerausunbekann- te[n]GründenvondennationalsozialistischenMachthabernseinesPostensenthoben.“183 DerGerichtsakt184derVerfahrenwirft eindeutlichesLichtaufdieSituationbei der Austria nach dem „Anschluss“. Als „Judenklub“185 stand der Verein vor größerenSchwierigkeitenalsandereSportklubs. InderpopulärenSporterinne- rungwurdedieGeschichtederAustria imNationalsozialismusdaheralsOpfer- erzählungüberliefert.DieserOpferstatus ist „angesichtsderKonfiszierungvon Vereinsgütern, der zwangsweisen Umstrukturierung des Klubs, des Exils von Spielern sowie der Vertreibung, Inhaftierung und Ermordung von Funktionä- ren“ durchaus berechtigt.186 Weitgehend ausgeblendet blieben jedoch Akte von „willfähriger Anpassung“ beim Umbau des Vereins sowie Mitläufer und Täter, die es in den Reihen des Klubs gab.187 Überlagert wurde eine differen- zierteBetrachtung langeZeit durchdiemythisierte Erinnerunganprominente Spieler wie Matthias Sindelar oder Karl Sesta, die als Ikonen fußballerischer „Resistenz“ gegen das NS-Regime gefeiert wurden, ohne dass ihre komplexe Verwicklungindie„Anschluss“-PropagandaimFrühjahr1938sowie ihreProfi- teursrolle als „Ariseure“ jüdischenEigentums ausreichendbeleuchtetworden wäre.188 IndemVolksgerichtsverfahrenkamen fast allebekanntenSpielerund Funktionäre desVereins zuWort, die 1946bzw. 1954noch amLebenwaren– allen voran Emanuel Schwarz, von demwir somit über einewichtige Selbst- beschreibungüber seineRolle als Sportfunktionär verfügen. DieAussagenderprominentenAustrianerzeichneneinSittenbildausdem Frühjahr 1938, das auch für viele andere Sportvereine in Wien typisch sein dürfte. Siebelegeneinerseits, dass sichderVorstandderAustria imMärz 1938 tatsächlich in einer höchst bedrohlichenSituationbefandund jüdische Funk- tionäre sich der Erpressung, VerhaftungundVertreibung, auchdurch ehema- ligeKlubkollegen, ausgesetzt sahen.Vorsichtige solidarischeHandlungen ste- 183WStLA,Volksgericht,A1-BgVr-Strafakten:Vg11/55,VerfahrenVG1gVr 2613/46,Anzeige vom25.3.​ 1946. 184 DavidForster, Georg Spitaler, Fußball untermHakenkreuz 36. Teil:WienerAustria 1938. DerProzess. In: ballesterer 102 (2015) 74f. 185 Forster, OpferÖsterreich, 106. 186 Forster, OpferÖsterreich, 112. 187 Forster, OpferÖsterreich, 112. 188 ZuSindelar vgl. u.a. DavidForster, Café Sindelar revisited. Verlauf undFolgender Sin- delar-Debatte. In: David Forster, JakobRosenberg, Georg Spitaler (Hg.), Fußball untermHa- kenkreuz inder „Ostmark“ (Göttingen2014) 314–330. ZuSesta:DavidForster,GeorgSpitaler, Fußball unterm Hakenkreuz 23. Teil: der „Blade“. Ein echter Wiener geht nicht unter. In: ballesterer 48 (2009) 32f.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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