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304 10 Nach dem „Anschluss“
Ein „Judenklub“?
In seiner Einvernahmeals Zeugeberichtete Emanuel Schwarz 1946von seiner
TätigkeitalsVereinspräsident inden1930er-Jahrenundschildertesein finanzi-
elles Engagement für denKlub:
„Ich wurde 1931 vom Vicepräsidenten Präsident des Fussballklubs Austria, der damals
ca. 160.000SSchuldenhatteunddurchmichaufgrundvonAusgleichsverfahrenausder
SchweizbeschafftenKreditenbereits 1933 finanziell aktivwurde,wozudannbis 1937die
steigendensportlichenErfolgekamen,die sich finanziell gleichfalls auswirkten. 1938war
ichPräsident,Präsidentstellvertreterein jetztverstorbenerHerrMedina,dannwarennoch
einige Vorstandsmitglieder, darunter der Kassier Siegfried Sass, derzeit in Amerika,
Schriftführer war Heinrich Bauer, verstorben, auch Vorstandsmitglied. Die wichtigsten
AngestelltenwarenderManagerRobert Lang später inBelgraderschossenundderFuss-
ballerWalterNauschalsBuchhalter.“191
Auch der Spieler Karl Sesta beschrieb imVolksgerichtsverfahren, Schwarz sei
„vordemUmbruch1938diemassgebendePersönlichkeit imKlubvorstand, so-
wohl in finanziellerHinsichtalsauchsonst“gewesen.„Die finanziellenAbma-
chungenzwischenSpielernundVereinwurdenfürdenVereinvonDr.Schwarz
geführt.NebenDr.SchwarzwarnochManagerRobertLang,derdieSpielerein-
käufe tätigte, Handgelder bestimmte selbstverständlich imEinvernehmenmit
Dr. Schwarz.“192 Der Mediziner Schwarz galt dabei als paternalistischer und
fußballverrückter Präsident, der an „‚seine‘ Spieler […] je nachLeistung ‚Wat-
schen‘ oder Prämien verteilte“193 und als prominenter Sportarzt zahlreiche
Fußballer behandelte.
In seiner Aussage erwähnte Schwarz eine Reihe von Vorstandskollegen.
Die Einschübe „verstorben“, „erschossen“, „inAmerika“ lassen erahnen, dass
auch sie, mit Ausnahme des prominenten Exfußballers Nausch,194 als Juden
1941. In:Brenner,Reuveni (Hg.),Emanzipation, 159–172,hier 162–165.Forster,Spitaler, „Juden-
freier“ Fußballsport, 50.
191WStLA,Volksgericht,A1-BgVr-Strafakten:Vg 11/55,VerfahrenVG1gVr 2613/46, Zeugen-
vernehmung4.6. 1946.
192WStLA,Volksgericht,A1-BgVr-Strafakten:Vg11/55,VerfahrenVG8eVr11/55,Zeugenver-
nehmung 16. 10. 1954.
193 So sein SohnFranz Schwarz im Interview, in: David Forster, Georg Spitaler, Fußball un-
termHakenkreuz3.Teil:dieAustria.„Wer’s trotzdemblieb“. In:ballesterer 10 (2003)42f.,hier
42.
194 Zur Biografie desWunderteamspielers und späteren österreichischen TeamchefsWalter
Nausch, derWien imHerbst 1938mit seiner jüdischenFrauverließunddieNS-Jahre als Trai-
ner in der Schweiz verbrachte, vgl. Forster, Opfer Österreich, 109f., bzw. David Forster, Der
nobleNausch. Fußball untermHakenkreuz 19. Teil: derKapitän. In: ballesterer 39 (2009) 46–
48.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918