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148 | Theoretische Voraussetzungen
'Ann: Die Suppe ist „eles“.– Gre: Aha. Aha. – Mar: Die ist eles. – Gre: Aha. Aha- Ann: Wenn
wenn die zu wenig gesalzen ist. – Gre: Mhm-'
Drei Freundinnen unterhalten sich hier über einen Dialektismus, nämlich das
Adjektiv eles (sĂĽdbairisch fĂĽr 'salz-, geschmacklos, fad'). Sprecherin Gre kennt
diesen Ausdruck nicht, die Erklärung der beiden Kommunikationspartnerinnen
verfolgt sie daher aufmerksam und bringt dies mit der wiederholten Verwen-
dung der rezeptionsanzeigenden Nähezeichen a_ha und m_hm zum Ausdruck.
Unter Bezugnahme auf die oben erwähnten Definitionskriterien (Vorhan-
densein eines finiten Verbs, kontinuierliches bzw. diskontinuierliches Realisie-
ren der Valenzpotenz und anderer syntaktischer Projektionen sowie Realisieren
semanto-pragmatischer Projektionen) zur Unterscheidung der Einheitentypen
untereinander, nehmen Nähezeichen eine gewisse Sonderstellung ein (vgl.
Hennig 2006: 200201). Sie „bauen prinzipiell keine syntaktischen Projektionen
auf und sind auch nicht in Projektionsstrukturen benachbarter Einheiten inte-
griert“ (272). Von den anderen Einheitentypen unterscheidet sie darüber hinaus,
dass sie keine referentiellen BezĂĽge herstellen, sondern diskursorganisatorische
Funktionen erfĂĽllen.204
Insgesamt ergibt sich aus der festgelegten Vorgehensweise bei der Segmen-
tierung der Turns zu Intonationsphrasen und wiederum zu Einheitentypen in-
nerhalb dieser Intonationsphrasen eine Unterteilung in folgende Einheitenty-
pen: KS (kanonisch geschriebensprachliche Sätze), MS (mögliche Sätze), KomS
(kompakte Strukturen), AK (Anakoluthe) sowie NZ (Nähezeichen). Über gram-
matiktheoretische Fragen nach ihrem Status, ihrem exakten Verhältnis zuei-
nander oder dem Verhältnis geschriebener zur gesprochenen Sprache im All-
gemeinen ist damit wenig ausgesagt. Die Segmentierung der
Intonationsphrasen in diese operationalisierten Einheiten ist jedoch eine me-
thodische Notwendigkeit, um die eingangs gestellten Forschungsfragen bezĂĽg-
lich der syntaktischen Besonderheiten des Sprachgebrauchs jugendlicher Dia-
lektsprecher/-innen (vgl. Kapitel 2.4.) auf den Grund gehen zu können. Als
solches – nämlich ein methodisches Instrument zur Analyse der diskursiven
||
204 Diese definitorischen Charakteristika scheinen auf den ersten Blick gut geeignet zu sein –
bei genauerer Analyse gesprochener Sprache tauchen aber durchaus Abgrenzungsschwierig-
keiten auf, v.a. von NZ gegenüber KomS, wie bereits Hennig (2006: 201 und 265266) erwähnt.
Dieses Problem entsteht dadurch, dass sich unter den kompakten Strukturen Einheiten finden,
„deren referentielle Funktion so stark reduziert ist, dass eine Identifizierung als Nähezeichen
naheliegender scheint“ (265) als eine Klassifikation als KomS. Die Entscheidung, welchem
Einheitentyp eine Intonationsphrase zugeordnet werden kann, lässt sich daher häufig nur im
Kontext der umliegenden diskursiven Einheiten festlegen.
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Titel
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Untertitel
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Autor
- Melanie Lenzhofer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Abmessungen
- 14.8 x 22.0 cm
- Seiten
- 502
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute