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270 | Empirische Analysen
Zu unterscheiden sind also tun-Periphrasen mit Topikalisierung des infiniten
Verbs von jenen mit nachgestelltem Infinitiv, wenngleich insgesamt auxiliare
tun-Konstruktionen in der geschriebenen Sprache seltener vorkommen als in
mündlicher Kommunikation (vgl. Brinckmann/Bubenhofer 2012).332
In Bezug auf den Faktor Alter ist die tun-Periphrase insofern relevant, als sie
von Dialektsprecher/-innen auch als eine Variante der Konjunktiv-II-Bildung
verwendet wird, nämlich des Konjunktivs II von tun + Infinitiv (z.B. sie täte
gerne basteln). In einer Studie zu „Synthetischen und analytischen Konjunktiv-
2-Formen im Wiener Nonstandard-Deutsch“ stellt Glauninger (2008) für Jugend-
liche aus Wien den bevorzugten Gebrauch der analytischen Konjunktivbildung
von würde + Infinitiv fest, während die Variante mit täte + Infinitiv eine unter-
geordnete Rolle spielt.
Mit Blick auf die hier zugrundeliegende Freizeitkommunikation aus Osttirol
sollen daher zunächst formale Charakteristika der tun-Periphrase in indikativi-
scher Verwendung als auch in Bezug auf die Konjunktiv-II-Bildung zusammen-
gefasst werden (vgl. Kapitel 4.3.2.1.), um in der darauf basierenden Fre-
quenzanalyse (vgl. Kapitel 4.3.2.2.) das Vorkommen von Äußerungen mit tun-
Periphrase in den drei Teilkorpora JD, ED und GF zu analysieren und die Rolle
der periphrastischen Konjunktiv-II-Bildung mit tät- bzw. würd- und anderen
Konjunktiv-II-Varianten des Bairischen hinsichtlich einer möglicherweise be-
stehenden Altersspezifik zu beleuchten. Kapitel 4.3.2.3. bietet Einblick in den
kommunikativen Kontext der Belege mit tun-Periphrasen und diskutiert formal-
funktionale Zusammenhänge ihres Gebrauchs. In Kapitel 4.3.2.4 werden
schließlich die zentralen Ergebnisse der vorangegangenen Analysen und Über-
legungen zusammengefasst.
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332 Für die Analyse des Vorkommens von tun-Periphrasen in geschriebener Sprache untersu-
chen Brinckmann/Bubenhofer (2012) 100.000 zufällig gewählte tun-Sätze aus dem Deutschen
Referenzkorpus (DeReKo) des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim. Das DeReKo enthält
jedoch verschiedenste Textsorten (neben Zeitungstexten etwa auch belletristische und popu-
lärwissenschaftliche Texte). Wie sich auxiliares tun in eimem – was den Kommunikationsbe-
reich betrifft ausgewogenen – Korpus geschriebener Standardsprache verteilt, wird derzeit in
einem grenzüberschreitenden Projekt zur „Variantengrammatik des Standarddeutschen“
anhand eines Korpus von Zeitungstexten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz er-
forscht (Leitung: Christa Dürscheid, Stephan Elspaß, Arne Ziegler). Nähere Informationen
finden sich online unter: http://www.variantengrammatik.net/index.html (20.12.2014).
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Jugendkommunikation und Dialekt
Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Titel
- Jugendkommunikation und Dialekt
- Untertitel
- Syntax gesprochener Sprache bei Jugendlichen in Osttirol
- Autor
- Melanie Lenzhofer
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-050330-2
- Abmessungen
- 14.8 x 22.0 cm
- Seiten
- 502
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute