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Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums - Europäische Museumskultur um 1800, Band 2
Seite - 516 -
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516 Thürlemann Von der Wand ins Buch zeitig als Bezeichnung dessen, was der Ausschnitt aus Teniers’ Gemälde darstellen soll: das ‚imaginäre Museum‘ nämlich. Die erste Seite von Malraux’ Schrift hat so die Struktur eines Emblems mit seiner klassischen Dreiteilung in imago, titulus und explicatio – wobei als ex- plicatio nicht der hier sichtbare erste Textabschnitt allein, sondern der Text des Buches ins- gesamt verstanden werden muss. Ich möchte im folgenden Malraux’ Darstellung nach zwei Richtungen ergänzen, so- wohl „nach hinten“ als auch „nach vorne“, indem ich zwei zusätzliche Fragen stelle, mit denen sich Malraux in seinem Buch nicht oder nur ansatzweise auseinandersetzt: • An welches Bildverständnis appelliert das klassische Museum, von dem sich das so ge- nannte ‚imaginäre Museum‘ als Gegenmodell abhebt? • Hat das, was Malraux das ‚imaginäre Museum‘ nennt, d. h. das neue Verständnis von Kunst infolge der Verbreitung des illustrierten Kunstbuchs, auch Konsequenzen für die heutige Präsentation von Kunst in den Museen und Sammlungen? Um die erste Frage beantworten zu können, ist es vorbereitend nötig, das klassische Mu- seum als ein Zusammenspiel von Bild, Raum und Betrachter zu beschreiben. Das klassische Museum als doppeltes Diagramm Das klassische Museum kann mit einer zweifachen Berechtigung als ‚Diagramm‘ bezeich- net werden. Voraussetzung ist freilich, dass man den Begriff weiter fasst, als dies in den Le- xika mit der üblichen Umschreibung ‚technische Zeichnung‘ der Fall ist.7 Eine diagramma- tische Struktur im weiteren Sinne haben sowohl die begehbare Raumfolge des Museums als auch die einzelnen Museumswände mit ihren Werken, mit denen wir uns sehend aus- einandersetzen. Dass das Museum, als Raumfolge verstanden, ein begehbares Diagramm ist, wird in je- dem Grundriss deutlich, in dem das Sammelgut mit Hilfe von sprachlichen Begriffen einge- zeichnet ist. Abb. 4 zeigt den Grundriss des ersten Stockwerks des Oberen Belvedere, in dem Christian von Mechel 1781 die kaiserliche Sammlung für das Wiener Publikum zugänglich gemacht hat. Wie Debora Meijers in ihrer grundlegenden Untersuchung gezeigt hat, hat von Mechel aus der Not eine Tugend gemacht und die vorgegebene, nicht als Galerie kon- zipierte, relativ kleinteilige Raumfolge für eine Binnengliederung des Ausstellungsgutes ein- gesetzt, ein Verfahren, das mittlerweile in der Ausstellungspraxis zur Norm geworden ist.8 Abb. 4 Grundriss des Oberen Belvedere, Wien (1. Stock) mit Angaben zum Bilderbestand (aus: Mechel 1783, Det.)
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Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums Europäische Museumskultur um 1800, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die kaiserliche Gemäldegalerie in Wien und die Anfänge des öffentlichen Kunstmuseums
Untertitel
Europäische Museumskultur um 1800
Band
2
Autor
Gudrun Swoboda
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79534-6
Abmessungen
24.0 x 28.0 cm
Seiten
264
Kategorie
Kunst und Kultur
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