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DIE PLENARDEBATTEN UM DAS KOPFTUCH IN DEN DEUTSCHEN LANDESPARLAMENTEN
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Tabelle 1: Abstimmungsverhalten bei Kopftuchverbotsgesetzen
CDU/CSU SPD Grüne FDP Sonstige2)
Baden-
Württemberg
(BW) Zustimmung1) Zustimmung Ablehnung Zustimmung
Bayern (BY) Zustimmung Ablehnung Ablehnung -
Berlin (BE) Ablehnung Zustimmung Ablehnung Ablehnung Zustimmung
Bremen (HB) Zustimmung Zustimmung Ablehnung Ablehnung Ablehnung
Hamburg (HH) Keine Abstimmung auf Grund des Endes der Legislaturperiode
Hessen (HE) Zustimmung Ablehnung Ablehnung Ablehnung
Niedersachsen
(NI) Zustimmung Ablehnung Ablehnung Zustimmung
Nordrhein-
Westfalen (NW) Zustimmung Ablehnung Ablehnung Zustimmung
Saarland (SL) Zustimmung Zustimmung - -
Schleswig-
Holstein (SH)3) Zustimmung Ablehnung Ablehnung Ablehnung Ablehnung
Rheinland-Pfalz
(RP)3) Zustimmung Ablehnung Ablehnung Ablehnung
1) Fett sind die jeweiligen Regierungsparteien
2) In Berlin: Die Linke; in Bremen: DVU; in Schleswig-Holstein: SSW
3) Antrag der oppositionellen CDU-Fraktion
Quelle: Eigene Zusammenstellung
Eine erste Auffälligkeit zeigt sich bereits im Antragsverhalten der unter-
schiedlichen Parteien. In acht der elf Fälle wurde ein Gesetzentwurf oder
Antrag entweder von einer CDU-geführten Landesregierung oder der CDU-
Fraktion eingebracht.11 In Westdeutschland brachte nur die Hamburger CDU,
auch während ihrer Alleinregierung von 2004 bis 2008, kein entsprechendes
Gesetz ein und beließ es bei der bereits geltenden Einzelfallregelung.12 Unter
Parteien sahen keine Notwendigkeit für eine Regelung und es fand keine ernst-
hafte Debatte darüber statt. Die Ablehnung der Initiative kann allerdings auch
der Abgrenzung gegenüber der DVU geschuldet gewesen sein.
11 Dies betrifft auch den Antrag der damals oppositionellen CDU in Schleswig-
Holstein vom 30.10.2003. Nach Bildung der Großen Koalition 2005 kam es zu
keinem neuen parlamentarischen Verfahren, da sich CDU und SPD nicht auf ein
gemeinsames Gesetz verständigen konnten.
12 Dem war allerdings eine Parlamentsdebatte vorausgegangen, in der ein Kopf-
tuchverbotsantrag der damals schon aus der Regierung ausgeschiedenen PRO-
Fraktion (Partei Rechtsstaatlicher Offensive) debattiert wurde. Auf Grund der
vorzeitig beendeten Legislaturperiode kam es nicht mehr zu einer Abstimmung
über den Antrag, und die Hamburger CDU zeigte auch in der Folgezeit kein In-
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Titel
- Der Stoff, aus dem Konflikte sind
- Untertitel
- Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Autoren
- Sabine Berghahn
- Petra Rostock
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2009
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-89942-959-6
- Abmessungen
- 14.7 x 22.4 cm
- Seiten
- 526
- Schlagwörter
- Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
- Kategorie
- Recht und Politik