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Der Stoff, aus dem Konflikte sind - Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Seite - 475 -
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KONFLIKTE UM DER FREIHEIT WILLEN SIND UNUMGÄNGLICH 475 berg gemacht. Wir haben die Ausstellung »Die verschleierte Gewalt« ge- nannt. Das Ganze fand im Rahmen der Internationalen Bauausstellung statt. Es gab damals eine starke Frauenbewegung in Berlin, die sich mit der gängigen Bearbeitung des Falles nicht zufrieden geben wollte. Das hat mich sicherlich auch ermutigt, die türkischen linken Vereine direkt aufzufordern, zu unserer Ausstellung zu kommen und sich explizit mit dem Thema ausein- anderzusetzen. Es fanden mehrere Diskussionsveranstaltungen im KATO während der Ausstellung statt. Das waren wohl die ersten politischen Ausein- andersetzungen zwischen der Frauenbewegung und der inter/nationalen Lin- ken vor Ort. Ganz praktisch versuchte ich in meinen Moderationen, den lin- ken Theorien Leben abzugewinnen. Und zwar zum Schutze der Frauen. Das hatte zur Folge, dass es große Solidarisierungen mit den Frauen gab, es gab Initiativen von Taxifahrern, die immer in der Nähe des TIO herumgefahren sind, weil die Polizei damals nicht in der Lage war, das TIO wirklich zu beschützen. Das war rückblickend meine erste Konfrontation mit dem Thema Rassismus und Feminismus. Wir Feministinnen aus den damaligen Zusam- menhängen zwischen Uni und Projekten haben uns eben nicht von Rassis- musvorwürfen einschüchtern lassen. Denn wir verstanden uns als links und feministisch. Aber die Debatte zwischen Rassismus und Feminismus begann an allen späteren Frauen-Sommerunis, vor allem in Bremen, ein Thema anderer Art zu werden. Der Feminismus wurde verdächtigt, rassistisch zu sein, sich nur für die Interessen der weißen Frauen einzusetzen, während migrantische Frauen von uns als Opfer ihrer Männer dargestellt würden. Das Problem, dass es so- wohl rassistische, aber auch Opfer des Sexismus gibt, wurde quasi theoretisch gesäubert. Jedenfalls verschob sich die Debatte und es wurde immer schwie- riger, über Opfer generell zu sprechen. Damit meine ich aber explizit nicht die sehr einflussreiche Mittäterschaftsdebatte, die es meiner Meinung nach gera- dezu gebot, es den am und im Patriarchat mittuenden und davon profi- tierenden Frauen, nicht die nötige Kritik vorzuenthalten. Dennoch wurde uns zunehmend ein Rassismus vorgehalten, wenn wir die spezifischen Probleme von Migranten und Migrantinnen thematisierten. Ich wusste überhaupt nicht richtig mit dem ›feministischen‹ Vorwurf des Rassismus umzugehen. Ich ha- be nicht verstanden, warum unser ›Opfer-Feminismus‹ beschuldigt wurde, rassistisch zu sein, ich gar beschuldigt wurde, rassistisch zu sein. Ich fand und finde das auch immer noch falsch. Ich bin ja selber Migrantin, nach dem Krieg bin ich mitgenommen worden, ich konnte kein Deutsch und bin dann im Ruhrgebiet aufgewachsen. All das, was die Kinder von Migranten und Mi- grantinnen heute erzählen, das kenne ich wirklich alles selber aus eigener Erfahrung. Es hielt uns die katholische Kirche im Würgegriff – sie war von hinten auf die Reinheit und Dummheit der Mädchen aus. Heute noch bin ich sauer darüber, wie die Gesellschaft katholische Mädchen aus diesem Milieu
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Der Stoff, aus dem Konflikte sind Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Titel
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Untertitel
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Autoren
Sabine Berghahn
Petra Rostock
Verlag
transcript Verlag
Datum
2009
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-89942-959-6
Abmessungen
14.7 x 22.4 cm
Seiten
526
Schlagwörter
Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
Kategorie
Recht und Politik
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