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Der Stoff, aus dem Konflikte sind - Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
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KONFLIKTE UM DER FREIHEIT WILLEN SIND UNUMGÄNGLICH 481 früh nach Jesus wieder für die Ungleichheit der Geschlechter missioniert hat, ist doch verwunderlich. Die katholische Theologie hat eine reiche Tradition an Deutungen. Doch hätten nicht viele Feministinnen, wie auch ich, bei Kirchentagen die Lehren in Frage gestellt, hätten die katholischen Wür- denträger weiter gekanzelt. Ich kenne etliche feministische Frauen, die aus welchen Gründen auch immer in der katholischen Kirche sind und bleiben wollen, aber ganz offen den Papst als unfehlbaren Vertreter Gottes mitsamt seinen Vertretern lächerlich finden. Interessanterweise werden in der nicht- kirchlichen Öffentlichkeit, z.B. in der Politik, die christlichen Kirchen viel ernster genommen als von ihren eigenen Mitgliedern. Solche Allianzen geben doch zu denken. Sabine Berghahn: Gerade dann müsste man ja zugestehen, dass innerhalb muslimischer Gemeinden die Autoritäten konfrontiert werden. Teilweise fin- det das auch schon statt. Es gibt durchaus mutige Musliminnen, die andere konkurrierende Interpretationen der Religion liefern, die in den Gemeinden eine eigenständige Arbeit etablieren und feministische Positionen vertreten. Halina Bendkowski: Ich kenne nur Seyran Ateş und Necla Kelek. Petra Rostock: Die gehören allerdings nicht zu den von Sabine Berghahn beschriebenen Musliminnen, weil sie gar nicht gläubig sind. Wenn es um eine Auseinandersetzung innerhalb einer Religion geht, warum sollte man sich dann mit Nicht-Gläubigen über die Auslegung der religiösen Normen ausein- andersetzen? Halina Bendkowski: Das Problem dieser Religion ist ja, dass viele ihrer Ange- hörigen fast gar kein Leben außerhalb dieses Kulturkreises kennen. Insbe- sondere die Mädchen sind ihren Familien ausgeliefert und dadurch kulturell isoliert. Das war ja auch bei uns so. Religion als Kultur ohne Religionsfrei- heit. Es gibt ja die Religionsfreiheit im Islam nicht, im Katholizismus auch nicht bis 1965. Die religiösen Ordnungshüter wissen natürlich, dass viele Muslime ihren Glauben nicht ›richtig‹ praktizieren. Wenn Du sagst, Necla Kelek oder Seyran Ateş sind nicht religiös – natürlich kritisieren sie den Islam von außen, aber sie sind von diesem Kulturleben wahrscheinlich bis in den letzten Winkel ihres Seins beeinflusst. Umso heftiger kritisieren sie den Islam von außen und umso heftiger werden sie auch attackiert. Das macht es für sie wahrscheinlich nicht einfacher. Aber ich möchte gerne wissen, wer sich in der islamischen Community traut, zum Beispiel die Imamausbildung zu kritisieren. Es wird ja – das ist ein Fortschritt der ganzen Debatten, muss ich sagen – in Berlin-Lichtenberg eine Schule eingerichtet, in der Imame ausgebildet werden sollen, damit die
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Der Stoff, aus dem Konflikte sind Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Titel
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Untertitel
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Autoren
Sabine Berghahn
Petra Rostock
Verlag
transcript Verlag
Datum
2009
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-89942-959-6
Abmessungen
14.7 x 22.4 cm
Seiten
526
Schlagwörter
Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
Kategorie
Recht und Politik
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