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Der Stoff, aus dem Konflikte sind - Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
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SABINE BERGHAHN/PETRA ROSTOCK/HALINA BENDKOWSKI 484 mit wurde behauptet, es hätte vorher den Feminismus gegeben? Das immer wieder zu behaupten, macht es nicht wahrer. Wer sich nur ein wenig in der Geschichte der Frauenbewegung auskennt, weiß, dass es die unterschied- lichsten Zirkel, Klüngel, Zentren, aber dadurch auch interessante Lektüren und Debatten gab, solange es um die Befreiung von Frauen nicht nur theo- retisch ging. Die Debatte um Differenzen ist mir wohl vertraut. Ich kenne diese Debatte auch aus den USA, wo sich die schwarzen Frauen in Differenz zum weißen Feminismus zum ›womanism‹ bekannten. Dabei ging es aber nicht um den Rassismus der Feministinnen, denn die Feministinnen der ›Wo- men’s Liberation‹ hatten sich damals in ihrer Selbstpolitisierung gerade dafür entschieden für sich selber denken und sprechen zu wollen. Und dabei war nicht der Rassismus dieser Feministinnen verantwortlich, dass die schwarzen Frauen nicht mitmachen konnten. Das ist Unsinn. Sondern es war der Rassis- mus der Gesellschaft, der den schwarzen Frauen die Chancen verweigerte an Universitäten zu lernen. Es gibt keine einzige feministische Legitimation da- für. Nicht die aufbegehrenden Feminstinnen waren antischwarz, sondern die von ihnen kritisierten Verhältnisse. Aber diese Differenzen waren von den weißen Frauen, von den engagierten Feministinnen doch nicht gewollt. Sol- che Feministinnen zu Rassistinnen zu erklären, finde ich unmöglich. Sabine Berghahn: Das habe ich auch nicht getan. Mir geht es um die An- erkennung von Differenzen, darum, dass man nicht immer alles von dem eigenen Standpunkt, den eigenen Deutungen und Empfindungen aus, in- terpretieren kann. Halina Bendkowski: Das wiederum finde ich so klar wie Kloßbrühe. Natürlich weiß ich, wenn ich damals in der ›Frauenaktion Scheherazade‹11 arabische Fe- ministinnen getroffen habe, dass deren Kulturhintergrund ein ganz anderer war. Das war schwierig, ich hatte damals Hemmungen zu sagen, dass ich les- bisch bin, ich dachte, ich überfordere sie damit vielleicht. Das finde ich jetzt im Nachhinein feige. Ich habe vor kurzem eine Website von palästinensischen lesbischen Frauen entdeckt. Ist das nicht wunderbar? Wenn man aus frag- würdiger Rücksicht nicht die Realität thematisiert, lässt man die Frauen damit alleine. Aus heutiger Sicht finde ich diese Art von Rücksichtnahme einfach falsch. Was heißt denn, ganz ernsthaft, Pluralität? Als Feministin geht es mir 11 1991 gründeten Ute Scheub (taz) und Halina Bendkowski in einer Berliner Kü- che die ›Frauenaktion Scheherazade‹: Sie starteten eine ›Urabstimmung gegen den Krieg‹ im Golf und 50 000 Frauen aus aller Welt unterschrieben ihr Mani- fest, das dann dem UN-Generalsekretariat in New York übergeben wurde. Nach dem 11. September 2001 wurde die ›Frauenaktion Scheherazade‹ wieder aktiv: Ihr neues Projekt war die Gründung eines ›Weltfrauensicherheitsrats‹, der dem Weltsicherheitsrat zur Seite stehen soll.
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Der Stoff, aus dem Konflikte sind Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Titel
Der Stoff, aus dem Konflikte sind
Untertitel
Debatten um das Kopftuch in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Autoren
Sabine Berghahn
Petra Rostock
Verlag
transcript Verlag
Datum
2009
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-89942-959-6
Abmessungen
14.7 x 22.4 cm
Seiten
526
Schlagwörter
Religion, Migration, Geschlechterverhältnisse, Demokratie, Rechtssystem, Politik, Recht, Islam, Islamwissenschaft, Gender Studies, Soziologie, Democracy, Politics, Law, Islamic Studies, Sociology
Kategorie
Recht und Politik
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