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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Band 3
Seite - 205 -
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205 er gelebt, dahin. Bei seinem Tode waren nur Beichtvater und Arzt, der Erzherzog Franz und die treuen Diener Lach, Rosenberg und Dietrichstein zugegen. Aber noch eine andere Gestalt beugte sich trauernd über das Sterbelager des Kaisers, die Idee des Staates, jene hehre Geliebte, die ihm den Mangel jedes anderen Glückes ersetzte, der er sich ganz geweiht und der er noch in den letzten Standen seines prüfuugsreicheu Lebens, wie er sagte, mit aller moralischen und physischen Kraft gedient, ohne sich um die Folgen zu kümmern, die daraus für sein Dasein entspringen mochten. Seine letzten Gedanken weilten bei seinem Vaterlande, das er in einem Abschiedsbillete Kaunitz empfahl. Josef hat, wie die schöne Inschrift auf dem ihm von seinem dankbare» Neffen Kaiser Franz gesetzten Denkmale sagt, nicht lange, aber ganz dem öffentlichen Wohle gelebt. Seine Alleinherrschaft umfaßt nur zehu Jahre, aber diese gehören zu den inhalts- und folgen- reichsten unserer Geschichte. Wenn wir nun hier die Erfolge und Mißerfolge der Regierung Josefs noch einmal überblicken, werden wir schärfer, als dies sonst zu geschehen pflegt, zwischen Ungarn und den Niederlanden einer- und den übrigen Erblanden anderseits zu unterscheiden und zugleich nachdrücklicher als sonst die nachtheiligen Rückwirkungen der unglücklichen äußere« Politik dieses Kaisers auf die inneren Zustände des Reiches zu betonen haben. Was nämlich die gegenwärtig eisleithanischen Länder betrifft, so läßt sich leicht erkennen, daß hier der Unterschied der josefinischen Gesetze von denen der vorausgegangenen theresianischen Periode weniger in dem Wesen als in der Form, weniger in den Gegen- ständen als in dem beschleunigten Tempo der Durchführung, kurz in dem Wunsche Josefs lag, selbst noch die Früchte jener Reformen zu ernten, die er mit den Bäumen im Augarte» verglich, welche er, um sich noch ihres Schattens zu erfreuen, statt junger Schößlinge pflanzen ließ. Ohne Zweifel trug diese Hast einen Theil der Schuld an dem Mißlingen mancher seiner Entwürfe, so wie es auch unleugbar ist, daß Josefs Reformen viel tiefer einschnitten in die bisherigen Verhältnisse als jene seiner Mutter und daher von den dadurch Betroffenen viel schmerzlicher empfunden wurden. Namentlich auf dem kirchenpolitischen Gebiete war dies der Fall, wo seine nnd seiner Mutter Ansichten sich wie zwei Welt- anschauungen gegenüber standen. Auch das ist richtig, daß Josef für die historische» Rechte kein Verständniß besaß, nur theilte er dies Gebrechen mit seiner Zeit. Nicht nur der Regierung, auch deu Regierten, den privilegirten Ständen war der historische Sinn abhanden gekommen, wenn man darunter nicht starres Ansichhalten, sondern die stetige Entwicklung der gegebenen Verhältnisse aus sich selbst heraus versteht. Auch Maria Theresias Lang- muth war an dem zähen Widerstande, den ihr der Adel entgegensetzte, erlahmt. Auch sie hatte geklagt, daß mit den Ständen nichts anzufangen sei, und hatte daher die wichtigsten Anordnungen über die Köpfe derselben hinweg decretirt. Von einer lebenskräftigen ständischen Verfassung war ohnehin längst nicht mehr die Rede und deren Wiederbelebung lag nicht in
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Band 3
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil
Band
3
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1887
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.64 x 22.39 cm
Seiten
278
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch

Inhaltsverzeichnis

  1. Geschichtliche Übersicht der österreichisch-ungarischen Monarchie 1
    1. Ethnographische Einleitung 1
    2. Geschichtliche Übersicht 33
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild