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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Band 3
Seite - 214 -
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214 erschwert, immerhin aber vollzogen sich binnen der zwei Jahre seiner österreichischen Regentschaft auch im Innern so viele und bedeutsame Umgestaltungen, daß man an Hand derselben über die eigentlichen Ziele seines Wirkens nicht leicht irre gehen kann. Wohl darf man im Allgemeinen annehmen, daß der weitere Verlauf der französischen Revolution de« gelehrigen Schüler Lockes über die letzten Conseqnenzen seines eigenen Systems hier und da bedenklich stimmen mochte; aber gerade seine konstitutionellen Überzeugungen mußten ihn eben so sehr vor reactionären Gesinnungen als vor deu josefinischen Experimenten ans dem Gebiete des Einheitsstaates bewahren. Die Anschauungen, welche er in dem am 17. Februar 1791 den Statthaltern der Niederlande und später den dortigen Ständen selbst übersendeten Memoire entwickelte, entsprachen vollkommen dem oben erwähnten „Glaubensbekenntnisse" und auch in den alten Erblanden zeigte er sich in einzelnen Punkten nachgiebig gegenüber den Gegnern der josefinischen Reformen. Überall aber hält er an dem Principe der Staatshoheit fest, nirgends geht er über die theresianifche Epoche zurück. Zwischen dieser uud den Reformen seines Bruders sucht er zu vermitteln, und seiue Regierung ist eben darum, trotz ihrer kurzen Dauer, für Österreich so wichtig; die Zustände, die sich am Ende seiner Regierung ausgebildet hatten, sind in mehr als einer Beziehung die Grundlage für jenes Regierungssystem geworden, welches von 1792 bis 1848 in Österreich bestanden hat. Obgleich selbst Theoretiker, ermaß er doch theils aus innerer Überzeugung theils an den trüben Erfahrungen seines Bruders die Nachtheile einer auf bloßer Theorie aufgebauten Gesetzgebung, und es ist daher nicht richtig, wenn man ihn als den Fürsten hingestellt hat, unter welchem die Axt an die Wurzel des Ständelebens in Österreich gelegt worden sei, das er vielmehr, namentlich durch die Begünstigung des dritten Standes zu regeneriren, zeitgemäß umzugestalten und zu einer den gegebenen Verhältnissen entsprechenden Theilnahme an dem Gesetzgebungswerke befähige» wollte. Auch in Leopolds äußerer Politik kam sein durchaus maßvolles, jeder kriegerischen Verwickelung abgeneigtes und auf die Erhaltung des Weltfriedens und des europäischen Gleichgewichtes gerichtetes Wesen zu vollem Ausdrucke. Sie war couservativ im besten Sinne des Wortes, und wenn man sie gelegentlich als „gewunden" „proteusartig" bezeichnet hat, so dürfte die Erklärung dieser wechselnden Strömungen nicht so sehr in der angeblich macchiavelliftischen Routine Leopolds, als in dem Gegensatze und in dem Verhältnisse des Kaisers zu seinen Ministern, namentlich dem Staatskanzler Kaunitz zu suchen sein, mit welchem er in der Auffassung der französischen Angelegenheiten vollkommen überein- stimmte, ohne dagegen dessen Warnungen vor Preußens Politik Gehör zu schenken. Und so ist denn als die wichtigste und zugleich ganz aus Leopolds Initiative hervorgegangene That seiner Regierung nach außen der Allianzvertrag mit Preußen zu bezeichnen, den sein jugendlicher Nachfolger als folgenschwere Erbschaft übernahm.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Band 3
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil
Band
3
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1887
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.64 x 22.39 cm
Seiten
278
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch

Inhaltsverzeichnis

  1. Geschichtliche Übersicht der österreichisch-ungarischen Monarchie 1
    1. Ethnographische Einleitung 1
    2. Geschichtliche Übersicht 33
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