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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Band 3
Seite - 218 -
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218 Frankreichs Kosten zn erzielenden Eroberungen bewerkstelligt werden könnte, so war Thugut in erster Linie neben der Ausdehnung der österreichischen Niederlande bis an die Somme zugleich auf die Zurückwersung Frankreichs bis auf die Grenzen vor dem pyrenäischen Frieden bedacht, und es ist daher die übrigens auch durch den österreichischen Feldzugs- plan des Jahres 1793 widerlegte Behauptung, es sei Thugut mit der Erwerbung des Elsaß nicht Ernst gewesen, ebenso falsch als die Meinung, er habe sich um jeden Preis Belgiens zu entledigen gesucht, desseu Besitz er vielmehr durch die Gewiuuuug einer festen Barriere zu sichern wünschte. Während aber der unglückliche Verlauf des Krieges mit Frankreich nicht nur die Hoffnung auf irgend welche Eroberungen nach dieser Seite hin und damit zugleich die Aussicht auf die Erwerbung Baierns zerstörte, sondern zuletzt auch den Verlust der Nieder- lande nach sich zog, strebte Thugut mit größerem Glücke eine Ausgleichung des Mißver- hältnisses an, welches in der einseitigen Vergrößerung lag, die Preußen bei der zweiten Theilung Polens zutheil ward. Es war dem österreichischen Gesandten in Petersburg Ludwig Cobeuzl vorbehalten, den Mißgriff seines Vetters Philipp durch eiu Abkommen mit Rußland wettzumachen, zu welchem der Ausstand der Polen uuter Koseiuszko den Anlaß gab. Es war dies die dritte und letzte Theilung Polens, deren Bedeutung nicht nur in dem beträchtlichen Ländererwerbe Österreichs, dem die Palatinate Krakau, Lubliu, Chelm und Sandomir zufielen, sondern auch iu dem Umstaude lag, daß das miuderreich bedachte Preußen seinen Widerstand dagegen ebensowenig wie zwei Jahre zuvor Österreich aufrecht zu erhalten im Staude war. Ja noch mehr. An das Hauptabkommen (3. Januar 1795), welches über den Rest Polens verfügte, schloß sich in der Form einer geheimen Declaration ein Schutz- und Trutzbüuduiß der beiden Kaiserstaaten, welches sich in erster Linie gegen Preußen zuspitzte, zugleich aber in der orientalischen Frage sich als eine zweite Auflage der einst von Katharina und Josef gehegten Entwürfe darstellt, indem es im Falle eines neuen Krieges mit der Pforte die Gründung eines aus Moldau, Walachei und Befsarabien bestehenden russischen Fürstenthums und die Zuwendung Bosniens und eines Theiles von Serbien, sowie der veuetianischeu Küstengebiete an den Kaiser in Aussicht nahm. So waren im Osten wie im Westen Europas Ereignisse eingetreten, welche in ihren Folgen wohl geeignet waren, die Machtverhältnisse und Beziehungen der großen Staaten des Welttheiles zu einander auf eine völlig neue Grundlage zu stellen. Im Westen büßte Österreich mit dem bleibenden Verluste Belgiens die feste Basis ein, auf welcher seit einem Jahrhundert die Solidarität seiner Interessen mit denen der Seemächte im Wesent- lichen beruht hatte, während im Osten die dritte Theilung Polens das Schicksal der alten Adelsrepublik besiegelte und die Grenzen Rußlands, Österreichs und Preußens aneinander rückte. Auch der Schwerpunkt des Krieges mußte sich mit dem Verluste Belgiens verschieben.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Band 3
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil
Band
3
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1887
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.64 x 22.39 cm
Seiten
278
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch

Inhaltsverzeichnis

  1. Geschichtliche Übersicht der österreichisch-ungarischen Monarchie 1
    1. Ethnographische Einleitung 1
    2. Geschichtliche Übersicht 33
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild