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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Band 3
Seite - 247 -
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247 Ungarn der Ruf nach Reformen immer lauter erhoben wurde. Gerade die Ängstlichkeit, mit der mau die nothwendigsten Umgestaltungen der Verfassung immer wieder hinausschob, obgleich zuletzt alle Parteien sich in der Ansicht von der UnHaltbarkeit der bestehenden Zustände begegneten, verschärfte den Gegensatz zwischen den historischen Überlieferungen des ungarischen Staatslebens nnd den unabweisbaren Anforderungen der Gegenwart in einem Grade, der zuletzt den jähen nnd völligen Umsturz der Verfassung befürchten ließ. Auch in den alten Erblanden ließ sich namentlich seit dem Tode Kaisers Franz I. ein Umschwung des öffentlichen Lebens nicht verkennen. Die Zeiten waren vorüber, iu denen Gentz von einer „geistigen Auszehrung" sprechen konnte. Hatte man bisher »ach langwierigen Kriegen die Rnhe in vollen Zügen genossen, so sehnte man sich nnn anch nach geistiger Nahrung. Selbst in dem „Capna der Geister" war dies der Fall, wie dies nnter anderem die Gründung des juridisch-politischen Lesevereines uud die des nieder- österreichischen Gewerbevereines beweisen. Verwundert horchte das Ausland aus, als aus dem sonst so stillen Österreich jene ungewohnten Lieder ertönten, in denen ein Wiener Poet auf seinen Spaziergängen dem tiefen Kummer Ausdruck gab, der ihm, gleich so vielen anderen patriotisch denkenden Männern, das Herz bedrückte. Bald entstand auch eine eigene österreichische politische Literatur, die, außerhalb Österreichs gedruckt, doch haupt- sächlich von Österreichern geschrieben war nnd hauptsächlich in Österreich gelesen wurde, so das berühmte anonyme Buch: Österreich uud dessen Zukunft, dessen Verfasser Freiherr von Andriau war, nnd die von I. Knranda in Leipzig gegründeten „Grenzboten". Während die Regierung bei dem deutschen Bunde das ganze Gewicht ihres Einflusses in die Wag- schale legte, nm den Liberalismus in den kleineren Staaten zn unterdrücken, war sie durch alle Maßregeln einer argusäugigen polizeilichen Überwachung nnd Absperrung nicht im Stande, das Eindringen desselben in den eigenen deutschen Erblanden zu verhindern, nnd zugleich zeigten sich auch in den Ständeversaminlungen, deren Wirksamkeit vorlängst auf das nichtige Formelwesen der sogenannten Postnlaten-Landtage herabgesunken war, die ersten Regungen einer wiedererwachenden Theilnahme an den Angelegenheiten des Staates uud des Gemeinwesens. Das Schlimmste aber, was unter solchen Umständen geschehen konnte, war, daß die Regierung allmälig den Glanben an sich selbst nnd an die Unfehlbarkeit ihres Systems verlor, ohne in sich jene Kraft zu finden, um der aufdämmernden Selbst- erkenntniß gemäß zu handeln. Es blieb Alles beim Alten. Man verkannte nicht die Zeichen der Zeit, aber man fühlte sich zu schwach, um unter diesem Zeichen zu siegen. Die Regierten, so lange uud so ängstlich abgeschlossen von dem frischen Luft- ströme des öffentlichen Lebens, befanden sich in dem Zustande politischer Anämie, die dem geschwächten Staatskörper bei dem Ausbruche innerer oder äußerer Stürme schwere Erkrankung prognostieirte. Dem ans langjährigem Geistesschlummer erwachten Österreich
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil, Band 3
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Übersichtsband, 1. Abteilung: Geschichtlicher Teil
Band
3
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1887
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.64 x 22.39 cm
Seiten
278
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch

Inhaltsverzeichnis

  1. Geschichtliche Übersicht der österreichisch-ungarischen Monarchie 1
    1. Ethnographische Einleitung 1
    2. Geschichtliche Übersicht 33
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild