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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8
Seite - 122 -
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122 „Neusonntagskind", das ist ein solches, welches an einem Sonntag im Neumond zur Welt kommt, hat großes Glück zu erwarten. Der Hebamme zur Seite schreitet der Pathe (Gödl) oder die Pathin (Gotl). Unterwegs darf man den Täufling nicht den Sonnenstrahlen aussetze», da er sonst sommersprossig wird. Im Lieserthal gibt man derjenigen Person, der man am Weg zur Kirche zuerst begegnet, eine Semmel, die man die „Plappersemmel" nennt, weil es zutreffen soll, daß gedachte Person in der Regel eine rechte Plaudertasche ist. Im Dorfwirthshaus wird eingekehrt, um ein wenig „abzurasten". Beim Taufact darf man nicht vergessen, das „Faschengeld" in die Einbanddecke zu stecken, gewöhnlich einen Thaler, damit es mitgeweiht werde; dieser Thaler wird dann als Schatzgeld sorgfältig aufbewahrt. Bei den Gailthaler Slovenen gibt man auch ein beschriebenes Blatt Papier dazu, damit das Kind einmal recht gescheidt und reich werde. Nach der Taufe geht man mit dem neuen Weltbürger wieder schnurstracks ins Gasthaus, wo ein gutes Mahl eingenommen wird. Weniger Vermögliche müssen sich mit Wein und Kaffee begnügen. In heiterer Stimmung wandert man dann heimwärts; die Hebamme trägt das Kind nun viel leichter, denn aus einem Heiden ist ein Christ geworden. Man beeilt sich, um vor Betläuten nach Hause zu kommen, denn nach dem Avelänten darf man das Kind nicht mehr ins Freie tragen, sonst wird ein Wechselbalg daraus. Bei den Gailthaler Slovenen pflegt man am dritten Tag nach der Taufe dem Kinde in einem besonders ceremoniellen Bade einen Schlüssel, eine Betschnur und ein Licht in die Hand zu geben. An dem leichteren oder festeren Handdruck, mit dem das Kind einen dieser Gegenstände faßt, will man seine künftigen Anlagen und Neigungen erkennen. Der Schlüssel deutet auf Sparsamkeit, die Betschuur auf Frömmigkeit, das Licht auf frühzeitigen Tod. Die erste Taufe nach Ostern heißt im Gailthal beim Volke die neue Taufe und es war noch vor wenigen Jahren dem Pfarrer dafür eine besondere Gabe zu entrichten, in letzterer Zeit ein Silberthaler, eine Erinnerung an den „Osterbock", eine unter dem Namen kireus pasekalis bekannte Abgabe pro primo inkante bapti^ancko. Die Verpflichtungen und Rechte der G'vatersleute (Pathen) sind in den Alpen- ländern überall dieselben. Auch in den Kärntner Bergen geht man in die Vorweisat (am Tauftag) und eine oder zwei Wochen darnach in die Nachweifat, verabreicht der Wöchnerin unter anderen Gaben einen Hahn oder eine Henne uud dem Täufling das Taufpfadl (Hemd) und Gotlröckl, im Lieserthal „Krössenhemdl" (Chrisamhemd) und ein gestricktes Hänbl. Im Lieserthal gibt man auch mehrere Auislaibl und große Kipfel, die man „Fingerstrich" nennt. Auch die Nachbarsleute kommen im Lieser- und Gailthal in die Weisat, bringen allerlei Gaben und werden dafür mit Sträuben, Kaffee zc. bewirthet. Alljährlich erhalten die „Götaklan" (Pathenkinder) von den G'vaterslenten zu Ostern einen Reindling und ein paar gefärbte Eier, zu Weihnachten und Allerheiligen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Kärnten und Krain, Band 8
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Kärnten und Krain
Band
8
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.41 x 23.03 cm
Seiten
532
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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