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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8
Seite - 139 -
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139 Lande jene eigenartigen sprachlichen Erscheinungen aus, die man gemeiniglich als den Kärntner Dialect bezeichnet, dessen Hauptgebiet die Stufenlandschaften Mittelkärntens sind, einschließlich des unteren DraU- und deutschen Gailthals, während der Westen unter dem Einfluß des anstoßenden Pnsterthals steht und der Osten steirischer Einwirkung sich nicht verschlossen hat. Der mächtige Grenzwall der Tauern und das breite Massiv der weidereichen Almen zwischen Kärnten und Obersteiermark sorgten im Norden für möglichste Reinerhaltung der Mundart, wie anderseits im Süden das fremde Sprach- element eine feste Schranke zog. Wohl kann man noch im Katschthal (dem oberen Lieser- thal) ein Herübergreifen des Lnnganers verspüren, aber nirgends trifft man im Möllthal den Ponganer oder Pinzganer mit seinem „Hüttal bam Bachal", nirgends im Metnitzthal den Obersteirer mit seinem rauhen Idiom; erst ins Görtschitzthal greift die steirische Mundart über das sagenreiche Hörfeld und ins Lavantthal über den Obdacher Sattel und die Pack. Überall gebietet das trauliche, fast kosende le und lan, ja schon auf der Fladuitzer Alm, die doch noch halb auf steirischem Boden steht, werden Seuszer lau g'sat ' (gesäet). Neben den drei Hanptgrnppen der kärntnischen Mundart, der westlichen, mittleren und östlichen, lassen sich noch eine Menge von Abstufungen beobachten, zu deren Rein- erhaltung die Abgeschlossenheit der einzelnen Thäler und der beschränkte Verkehr derselben untereinander das Ihrige beitrugen. So spricht der Lessachthaler anders als sein Nachbar, der deutsche Gailthaler — freilich treunt eine natürliche Thalsperre die beiden von einander. Auch in dem verhältnißmäßig kurzen Lieserthal treten deutliche Unterschiede auf; anders redet der Katschthaler als der Kremsbrnckner und Gmündner im mittleren Thal und anders wieder der Bewohner der unteren Thalstufe von Liesereck abwärts. Dasselbe gilt vom oberen Gurkthal und dem Krapfeld, dem oberen und nnteren Lavantthal, — vom Glanthal, dem Klagenfnrter und Villacher Beckeu gar uicht zu redeu. Überhaupt herrscht auch iu Bezug auf die Sprache ein unverkennbarer Unterschied zwischen Berg- und Flachland oder, wie der Möllthaler sagt, zwischen dem „Berger" und „Thölderer" (Thal- bewohuer). Hart uud rauh kliugt sie in den Bergen, breitbehäbig und gegen die slavische Sprachgrenze hin fast farblos „drunten im Lande". Eines aber haben alle Abarten mit einander gemein, den eigenthümlich frischen nnd vollen Klang, der sie besonders znm Gesänge eignet. Keine der nachbarlichen Mundarten wird so wie nnsere durch einen gewissen Zug anheimelnder Behaglichkeit — kärntnische Gemüthlichkeit nennt man ihn — gekennzeichnet. Snchen wir dieselbe nun in der Beweglichkeit der Reinlante, in den traulichen Kosesilben, > Auf der Fladnitzer Alm hän i Seufzerlan g'sat, Js gär kans aufgängen, hat der Wind sie verlvaht. (Bollslied.)
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Kärnten und Krain, Band 8
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Kärnten und Krain
Band
8
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.41 x 23.03 cm
Seiten
532
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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