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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8
Seite - 148 -
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148 Beginn ausbedungen hat. Dieser kärntnische Teufel ist ein wahres ^lixtuin couipositum von allen möglichen Eigenschaften und Zügen, wie sie kamn zahlreicher in einer anderen Mythengestalt vereinigt erscheinen. Nicht unbedeutend ist auch der Märchenschatz der Deutscheu in Körnten. Er umfaßt Lügenmärchen, Ostermärchen (Moralgeschichten, wie Erzählungen von den Wanderungen Christi und seiner Apostel auf Erden) und eigentliche Kinder- und Hausmärchen. Nicht wenige sind darunter, welche unbedenklich dem an die Seite gestellt werden können, was ,in der reizenden Sammlung der Brüder Grimm enthalten ist. In ihrem Stoffe, in der Art der Composition, im Tone der Erzählung unterscheiden sich diese dentsch-kärntnischen Märchen wenig von denen anderer deutschen Gegenden. Sie sind mannigfaltig in der Erfindung, einfach und schlicht in der Darstellung. Treuherzigkeit und kindliche Naivetät fehlen bei ihnen ebenso wenig als jener eigenartige Humor, welcher dem deutschen Märchen seinen besonderen Reiz verleiht. Zum Unterschied von den Sagen ist die Handlung im Märchen losgelöst von allen Beziehungen zu Zeit und Raum; sie spielt iu einer fremd- artigen vom vollen Zauber der Phantasie erfüllten Welt. Die Dinge gehorchen hier anderen Gesetzen, als sie die Wirklichkeit beherrschen. Die Pflanzen entfalten geheimnißvolle Zauberkräfte, die Thiere reden mit Menschenzungen oder sind wohl gar „verwunschene" Wesen, die ein Fluch oder anderes Zauberwort in ihre jetzige Gestalt gebannt hat. Weit häufiger als gewöhnliche Menschenkinder aus den unteren oder mittleren Schichten der Gesellschaft führt uns das Märchen Könige, Fürsten, Prinzessinnen, gute uud böse Frauen, Hexen und Riesen vor. Manche der hier handelnden Personen tragen die Züge längst vergangener Zeiten, aus ihrer Maske sprechen alte Götter und Göttinnen zu uns wie verschollene Gestalten der mittelalterlichen Legende. Manchmal bedarf es keines besonderen Scharfsinns, um in dem einen oder anderen dieser Märchen selbst nur die moderuisirte Form eines alten Mythus wiederzufinden. Kärnten ist auch ein unerschöpflicher Born des deutschen Volksliedes. Das Meiste schafft und besitzt das Mittel- und Unterland, die Thäler der Glan, Gnrk, Metniz und Lavant; ihm reiht sich im Oberland das Dranthal mit den zugehörigeil Gebieten, dem Möll-, Lieser- und Gailthal (Dentschgail- und Lessachthal) an. In dem Schatze der bisher gesammelten Lieder finden sich Erzeugnisse älterer Zeit neben frischen dichterischen Blüten der Gegenwart. Die Volkslieder der Deutschen in Kärnten sind verschiedenen Charakters. Es finden sich unter ihnen längere Lieder, wie historische Lieder (über die Türkenzeit, französische Invasion, Achtundvierziger-Periode), Balladen (z. B. das Lied vom todten Ritter, das Tannhanserlied, Brambeerlied und dergleichen), ferner Jäger-, Knappen-, Handwerker- Burschen-) und Almeulieder. Das weitaus größte Contingent stellen jedoch die vielen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Kärnten und Krain, Band 8
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Kärnten und Krain
Band
8
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.41 x 23.03 cm
Seiten
532
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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