Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Kronprinzenwerk
deutsch
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8
Seite - 156 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 156 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8

Bild der Seite - 156 -

Bild der Seite - 156 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8

Text der Seite - 156 -

156 Typus der sloveuischen Volkslieder. Es ist entweder Kirchenlied und Legende, von denen M. Majär im Jahre 1843 eine Sammlung herausgegeben hat, oder episch-historischer Sang, an die Türkenzeiten sich anlehnend, oder lyrisches, das häusliche Leben und Treiben enthaltendes Lied. Bemerkt muß werden, daß der Verfall der älteren Volkspoesie sich hier noch deutlicher offenbart als in Krain. Denn was jenseits der Karavankeu noch voll und kräftig blühte, ist in Kärnten nur bruchstückweise erhalten oder in Prosa ausgelost. So ist die Heimkehr der Miklova Zala einst in einem Liede dargestellt gewesen, jetzt ist nnr mehr die prosaische Erzählung zu finden; ebeuso der Todtenritt. Besonders gut erhalten sind die Lindenlieder. Einen bemerkenswerthen Bestandtheil des alten kärntnischen Volksliedes bildet das Gebräuchelied, das sich noch aus dem heidnischen Festkalender, freilich in christlicher Umdeutuug erhalten hat. Die beiden Sonnenwenden und der Georgstag als Beginn des Frühlings werden durch das Gebräuchelied markirt: daher die Weihnachtslieder (Koleäniee), das Georgslied und die um den Kres (das Sonnwendfeuer) gesungenen Lieder. Der Inhalt der letzteren ist die Heimführung eines um das Kresfener tanzenden Waisenmädchens (kresniea) durch den Königssohn ans dem neunten Lande. Fragen wir nach der Verbrei tung des Volksliedes, so ergibt sich eine merkwürdige Erscheinung. Die Gailthaler, der schwächste Volkssplitter, die aber trotzdem ihre Gebräuche und Trachten bis auf den heutigen Tag am ursprünglichsten bewahrt haben, können sich auch der Reichhaltigkeit ihres Liederschatzes rühmen; ihre Gesänge tragen das Gepräge der Originalität an sich: die alte Ballade und Romanze hat ihre Heimat im unteren Gailthal. Diesem zunächst kommt das sangesfrohe Rosenthal, die Heimat so mancher Natnrdichter und hellklingender Kehlen: der Rosenthaler ist eiu geborener Sänger, sagt das Sprichwort von ihm. Am wenigsten Lieder hat das Jannthal auszuweisen, obwohl dort das Sloveneuthum in geschlossener Masse sitzt, an 50.000 Seelen zählt und noch am wenigsten vom deutschen Einfluß durchsetzt ist. Nach dem Verstummen des historischen Sanges hat sich unter denselben Bedingungen wie bei den deutschen Landesnachbarn eine neue Art des Volksliedes eutwickelt, der Vierzeiler, unter dem Namen Kärntnerlied bereits weltbekannt. Die Umgebung Klagensnrts hat für die Slovenen als Entstehungs- und Mittelpunkt zu gelten, von wo aus sich das „Schnadahüpfel" in die benachbarten Gegenden verbreitete. Was zur Charakterisiruug des deutschen Vierzeilers gesagt wird, gilt auch von dessen slovenischem Zwillingsbruder. Auch dieser ist ein Erzengniß des Augenblicks, der Tanzplatz seine gewöhnliche Geburtsstätte, das Liebesleben der vorherrschende Inhalt. Was das alte Lied in episch ausführlicher Weise malt und schildert, das ist im Schnadahüpfel in den knappen Raum von nur vier Zeilen mit epigrammatischer Kürze zusammeugedräugt. Ein solches
zurück zum  Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Kärnten und Krain, Band 8"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Kärnten und Krain, Band 8
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Kärnten und Krain
Band
8
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.41 x 23.03 cm
Seiten
532
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild