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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Band 9
Seite - 364 -
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364 Szinyer-Väralja, von wo aus in der Richtung ans Nagy-Bänya das Walachenthum der Kövärer Gegend beginnt. Jni Mittelpunkt oder am Ende jedes Dorfes pflegt eine hübsche, mitunter freilich vernachlässigte adelige Curie zu steheu, und da haust jeuer mittlere Adel, dessen Vorfahre» sich in so lebhafter Weise au den Verfassungskämpfen des XVII. und XVIII. Jahrhunderts betheiligt haben. Nach dem Szatmärer Frieden hatte sich derselbe zwar vollständig erschöpft, doch unter treuer Bewahrung seiner Überlieferungen, Erinnerungen und Ansprüche hinter die Bollwerke des Comitatslebens und der Adelsvorrechte zurück- gezogen. Die Bande der Verwandtschaft, die in verschiedenen Dörfer» und Comitateu verstreuten kleinen adeligen Besitzparzellen, die Rechtshändel und die gastfreundliche Lebensweise hielten ihn gesellschaftlich zusammen und verbanden ihn auch mit dem Adel der Nachbarcomitate durch Bluts- uud Interessengemeinschaft, Jdeengleichheit und gemeinsame patriotische Gesinnung; so blieb diese Classe in unausgesetzter lebendiger Berührung unter sich, trotz aller Fehler und Gebrechen die verläßliche Hauptstütze der ungarischen Verfassung und Nationalität. Politisch an die Selbstregierung des Comitats, kirchlich an die des Protestantismus gewöhnt, bewahrte sie sich allezeit ein gewisses Maß von Selbständigkeit und oppositionellem Geist. Der niedere Adel ist im Szatmärer Comitat und gerade auch in der Gegend von Nagy-Käroly sehr zahlreich, zum Theil schon ganz mit dem Volke verschmolzen. In Genes, Bere, Tynkvd ist so manches einfache Banernhans das Heini einer armen Adels- familie. Diese Classe hat in gleichem Maße die guten, wie die schlechten Eigenschaften ihres Schlages. Eine verhältnißmäßig große Anzahl ihrer Söhne wirkt erfolgreich auf verschiedenen Gebieten des öffentlichen Lebens: als Geistliche, Advoeaten, Dorfnotare und Beamte. Uud als zu Ende des vorigen Jahrhunderts der Dichter Gvadänyi eine Gestalt suchte, um in ihr das erwachende nationale Selbstbewußtsein zn verkörpern, das sich gegen fremde Sprache, Tracht und Sitte auflehnt und im Namen der Nation kühn die Forderung aufstellt, daß der Hochadel und die Hauptstadt ungarisch seien, einen Menschen, der sich auf deu Weg macht, um die ungarische Hauptstadt und in dieser den Palast des Königs Matthias zu sehen, — da wählte er sich dazu aus dem niederen Adel des Szatmärer Comitats die Figur eines Dorfnotars und legte ihm die Ansprüche der Nation in den Mnnd. So entstand die Gestalt des „Notars von Peleske", des kleinen Edel- manns, der zwar nicht auf dem Bildungsniveau seiner Zeit steht, aber am besten, sozusagen instinctiv die Bedrohung seiner Nation fühlt und der Krankheit, welche ihre Existenz bedroht, tapfer zu Leibe geht. Die Bevölkerung der Dörfer um Nagy-Käroly weist neben den allgemeinen Charakterzügen der Verwandlfchaft hier und da auch besondere Züge in Tracht und Sitte
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (2), Band 9
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (2)
Band
9
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.56 x 21.98 cm
Seiten
682
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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