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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 154 -
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154 Einen betrunkenen Zigeuner hat die Welt selten gesehen. Hat er das Lieblingslied seines Zuhörers errathen, so geigt er es ihm in das Ohr und theilt auch selber dessen Entzücken. Und es ist in seiner Kunst ein gewisser Zauber, der selbst den Fremden mit sich fortreißt. Der hauptstädtische Zigeuner ist zugleich ein anständiger Bürger, der seine Steuer zahlt und ein friedsames Familieulebeu führt. Einer der berühmtesten Primgeiger hatte zweiundzwanzig Söhne, welche sämmtlich wackere Männer wurden. Der älteste erbte die Geige und die Künstlerschaft seines Vaters und setzt den edlen Ruf der Familie fort, während die übrigen alle in bürgerliche Stellungen gelangt sind; sogar ein Geistlicher und ein Advocat sind darunter. Die meisten dieser Zigennerbanden haben auch das Ausland bereist. Sie fanden gnte Aufnahme in Paris, London und selbst jenseits des Weltmeeres, sehnten sich aber trotzdem „heim", denn anderswo ehrt und bezahlt man vielleicht den Zigeuuerküuftler besser, aber man liebt ihn nicht so wie in Ungarn. Andachten. Bisher haben wir die Bevölkerung Budapests nur bei ihreu weltlichen Belustiguugeu betrachtet; wir wollen sie jetzt bei ihren Andachten aufsuchen. Die Beweise dieser Audacht sind die Kirchen selbst. Die schönen Gotteshäuser Budapests sind nicht dnrch die Herrscher, nicht durch die Kircheusürsteu errichtet wordeu, sondern durch die Cousessionen, welche ihre Scherflein zusammenlegten: Nömisch- Katholische, Griechen, Resormirte, Evangelische nnd Juden gleichermaßen. Und diese Kirchen sind immer voll, uud es werdeu ihrer immer mehr, deuu die alteu siud uicht im Stande die Andächtigen auszunehmeu. Die Baukosten der hochragenden Leopoldstädter Basilica hat zum bedeutenden Theile die Hauptstadt ans ihren eigenen Einkünften bestritten, so daß jede Confeffion ihre Steuergroschen dazu beitrug. Uud da die Hauptstadt selbst der Patron ist, ergibt sich die eigenthümliche Lage, daß, wenn bei der Psarrerwahl (es gibt 14 Psarren) die Stimmen der Stadtverordnetencommission abgegeben werden, auch die uicht römisch-katholischen Stadtverordneten sich an der Wahl betheiligen. Und Griechen, Protestanten und Jnden trachten mit ebensoviel Eifer dem als würdigsten Erachteten zum Siege zu verhelfen, als die dem eigenen Glanbensbekenntniß angehörigen Wähler. Dafür gibt es vielleicht nirgends auf der Welt ein Beispiel. Es gibt Festtage, an denen die Andacht die Schwelle der Kirche überschreitet nnd hinaustritt auf die grasbestreuten Straßen. An den Hauptfeiertagen, an den Frohnleichnamstagen finden unter prächtigen Ceremonien Umgäuge statt, während welche» der Verkehr iu viele» Straße« feiert.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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