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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 235 -
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235 mung eines kämpfenden Volkes und darum müssen es auch die Mitglieder der Ungarischen Akademie fühlen, daß sie nicht nur Gelehrte und Schriftsteller, sondern zugleich die Wachtposten der höchsten geistigen Interessen Ungarns sind." Und in der That, obgleich die Akademie ihre Thätigkeit auch weiter nur unter der Controle des kaiser- lichen Regiernngscommissärs fortsetzen konnte, haben Sprache und Literatur und mit ihnen die Erhaltung, die Kräftigung der Nationalität, die Stärkung der sittlichen Macht des ungarischen Geistes in den Tagen des germanisirenden Absolutismus vielleicht das Meiste der Akademie zu danken. Als die nationalen Institutionen in Trümmern lagen, konnte man nur von der Rednerbühne der Akademie herab bei einzelnen festlichen Anlässen zur ganzen Nation sprechen. Von dieser Rednerbühne herab trachteten Graf Emil Deffewffy, Franz Toldy und namentlich Baron Josef Eötvös, dieser als Denkredner großer Todten, Balsam in die Wunden der Nation zu träufeln und ihren Glauben an die Zukunft zu nähren. Das größte Ereigniß für die Akademie ist in diesem Zeitraume der Bau ihres Palastes, gleichsam als ihre zweite, materielle Begründung. Bisher war ein großer Theil ihrer bescheidenen Einkünfte für die Bezüge der ordentlichen Mitglieder und für Wohnungs- miethe aufgegangen. Auf die Herausgabe von Büchern konnten kaum ein paar Tausend Gulden verwendet werden. Die Körperschaft, die den Ausdruck der ungarischen Wissen- schaftlichkeit bildete, mußte sich in einem engen, weder recht geeigneten, noch hinreichend stattlichen Zinshause ducken, zuerst im Derra'scheu Hause der Donauzeile (jetzt Frauz Josephs-Platz Nr. 5), dann bis Ende 1865 im Trattner-Kärolyischen Hause der Kronprinzengasse, wo sie weder ihre ansehnliche Bibliothek von bereits 60.000 Bänden, noch die anderen Sammlungen ordentlich unterbringen konnte. Da brachte (1859) Graf Emil Deffewffy, der die kostbarsten Tage seines Lebens der Sache dieses wichtigen nationalen Instituts geweiht hatte, eine großgeplante Bewegung in Fluß, um der Akademie zu einem schönen und gut eingerichteten Palaste zu verhelfen. Er ergriff die günstige Gelegenheit, indem er bei der hundertsten Jahreswende der Geburt Frauz Kaziuczys, welche die Akademie durch eine Feier im Prunksaale des Ungarischen Nationalmuseums beging, sich an die Opferwilligkeit der durch Gefühl und Begeisterung in Eins ver- schmolzenen Nation wandte, um ihr den Kämpen der Literatur stets bewiesenes Interesse noch zu steigern. In der Rede, mit der er die Festsitzung dieses Jahres eröffnete, gab Graf Emil Deffewffy das Schlagwort aus: „Die Wissenschaft hat kein Haus!" Und er warf vor der öffentlichen Meinung der Nation die Frage auf, „ob denn die großen Angelegen- heiten, denen die Akademie geweiht ist, es nicht verdienen, daß wir diese Bedürfnisse nicht länger ungedeckt lassen, sondern sie in den Besitz eines würdigen und stattlichen Heims setzen, worin sie unter Verhältnissen, welche den von ihr vertretenen großen Interessen entsprechen, ihre Thätigkeit mit vermehrten materiellen Mitteln fortsetzen könne?"
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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