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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
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248 In das dunkle Labyrinth der Sagen fällt erst zu Anfang des XIII. Jahrhunderts einiges Licht durch die ersten schriftlichen Denkmäler in magyarischer Sprache, die Leichenrede nebst dem ihr angeschlossenen Gebet (Facsimile im I. Band „Ungarn", Seite 73) und das Königsberger Fragment. Jenes ist das erste magyarische Denkmal in Prosa, dieses das erste in Versen, der Schluß eines Liedes zum Lob der Jungfrau Maria, mit dem die Reihe der ungarischen Übersetzungen von Gesängen im Mittelalter beginnt. Die Leichenrede bezeichnet schon einen ziemlich hohen Entwicklungsgrad der ungarischen Sprache und Rhetorik. Ihr ungenannter Verfasser weiß in der kurzen, oft kaum articulirbaren Fassung die religiösen Ideen leicht und ohne Anstrengung auszudrücken. Vom XIII. bis zum Anfang des XIV. Jahrhunderts sehen wir die Arbeiter der Literatur, deren Werke uns durch mehrere Codices aufbewahrt sind, größtentheils mit Übersetzungen und Bearbeitungen beschäftigt. Im Zusammenhang mit dieser Richtung entwickelt sich der Stoff der altungarischen Sagen, also die Volksdichtung weiter, deren spärliche Blüten durch die ungenannten Heldensänger zum Kranz gefügt wurden. Gegen Ende des XIV. Jahrhunderts tritt jedoch auch in Ungarn die Renaissance ein, deren Geist zuerst durch die hohe Geistlichkeit der Aujou-Zeit aus Italien eingeführt wurde. Zwar fällt die Blütezeit des ungarischen Humanismus in die zweite Hälfte des XV. Jahr- hunderts, unter König Matthias, doch strebt schon früher Johann Vitez, Kanzler des großen Johannes Hnnyadi, als Bischof von Großwardein danach, seine Hauptstadt zu einem wahren ungarischen Florenz zu erheben. Er versucht hier zuerst die Werke der alten Classiker nicht nur in Äußerlichkeiten, sondern auch in ihrem Geiste nachzu- ahmen. Wie die Medicäer, versammelt auch Vitez durch glänzende Anträge hervor- ragende Humanisten um sich: Vergerio aus Florenz, den Griechen Podakataro, den Polen Sanocky. Als er 1465 durch König Matthias zum Erzbischos von Gran ernannt wird, hat er noch mehr Gelegenheit, den ungarischen Humanismus zu pflegen und zu entwickeln. Galotti von Ferrara, Gatti, Brandolini, Regiomontanns und andere copiren alle für ihn die Werke der griechischen und lateinischen Schriftsteller, welche kostbar gebunden werden. Die Grauer Bibliothek wird zu jener Zeit weithin mit Bewunderung erwähnt. Bonfini spricht mit Entzücken von den Gärten, die zwischen den Säulenhallen der Bibliothek blühen, von den gold- und elfenbeinstrotzenden Schränken, den Gemälden der Säle und den Statuen, die den ganzen Palast schmücken. In diesen Säulenhallen versammeln sich um den Kirchenfürsten die ganze Schar der Humanisten, die Gelehrten und Künstler, um sich in wohlgesetzter und gewählter Sprache über die erhaltenen Werke antiker Weisheit zu unterhalten. In dieser Hinsicht folgte König Matthias seinem Beispiel. Die Bibliothek, jene berühmte Eorvina, die er in seinem Ofner Palast aufstellte, ist eine der glänzendsten
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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