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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
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250 Übersetzungen und Bearbeitungen in Vers und Prosa, welche uns in dem Wiener, Münchner, Ehrenfeld'schen, Erdy'schen, Nenhäuseler und noch zahlreichen anderen Codexen von der ersten Hälfte des XV. bis zum Anfang des folgenden Jahrhunderts aufbewahrt sind, enthalten biblische Geschichten, Legenden, heilige Gesänge, patriotische Gefühls- äußerungen. Unter den Prosastücken ist wohl das schönste und der besonderen Hervor- hebung würdigste die Hymne über den Tod aus dem „Buch der Parabeln", die mit ihrem wiederholten Refrain: „Ich gehe hin zu sterben" eine gewaltige Klage ist, voll Entsagung und Verachtung der Welt, kraftstrotzend in der Empfindung uud erhaben in der Sprache. Ergreifend und aus dem tiefsten Quell der Poesie geschöpft sind besonders die Lamen- tationen der Maria, deren reichen Stoff jene Codices in ungebundener Rede aufbewahrt haben; unter den Bearbeitungen in Versen aber gebührt der erste Platz unstreitig den Hymnen des heiligen Bernhard. Die Sprache des ungenannten Bearbeiters dieser Hymnen ist noch nicht ganz glatt, doch hat sie eine rhythmische und wahrhaft veranschaulichende Kraft, auch offenbart sich in ihr eine solche Innerlichkeit uud tiefe Audacht des Empfindens wie kaum noch irgendwo in der ungarischen Lyrik des Mittelalters. Ihr Ton ist erhebend und geht ans Herz — man glaubt das Original zu lesen, das der ungenannte Bearbeiter sozusagen nur als Vorbild für sein Werk benützt hat. Als Beispiel, so weit es in der deutschen Übersetzung noch erkennbar bleibt, diene folgende Strophe aus der Hymne: „An deu gekreuzigte» Christus": Du erkenn' mich, süßer Heiland! Nicht ist Mühe, nicht mir Plage, Mich betrübt dein heilig Leiden. Süße ist und Lust die Klage, Jammre um dich reinen Herzens, Wie ich wach' ob deinem Harnie, Wünschend, wollend Theil der Schmerzen. Dich an deinem Kreuz umarme. Zu dieser Innigkeit des Gefühls kommt noch in manchen Legenden, wie in der vom heiligen Alexius, eine große Einfachheit der Erzählung, wogegen die Legende der heiligen Margaretha, dieses treue Zeitbild von mittelalterlichem Glaubenseifer und Mönchsleben, mehr zur Trockenheit der Chronik neigt. Weit wichtiger jedoch für die Geschichte der unga- rischen Dichtung ist die Legende der heil igenKatharina, Tochter des Königs Costus von Egypteu, deren Geburt, Lebeusfchicksale und Märtyrerthum da erzählt werden. Diese Legende zeigt in charakteristischer Weise die naive Auffassung der Zeit, in der sie entstand; man sieht in ihr die völlige Befangenheit und Geistesbeschränktheit einer scholastischen Meditation, aber in einer Sprache von ganz individueller Kraft ausgeprägt, in schönen Ausdrücken und großentheils auch in regelmäßig pulfirendem Rhythmus. Die Wirkung dieser Eigenschaften scheitert nicht einmal an der kühnen Ordnung der Zeilen, ihrer Ungleichheit und dem häufigen Mangel an Harmonie. Obgleich das lehrhafte Element in dem Werke übermäßig viel Raum einnimmt und die langwierigen Disputationen nicht
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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