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reden, welche die katholische Kirche bis auf die neueste Zeit benutzt hat, mehr Rührung
und Anmuth auf als der Stil Pazmäuy's, dem diese Eigenschaften fast ganz fehlen.
Päzmany fand in der Polemik zwar hervorragende protestantische Gegner, zum
Beispiel Georg Csipkes von Komärom, Peter Alvinczi u. A., doch kam ihm keiner
gleich an ausgebreitetem Wissen, lebendigem Vortrag und gewaltthätiger Kraft. Nur iu
Siebenbürgen konnten sich die Protestanten seiner ungeheuren Wirkung entziehen; an den
dortigen Fürstenhöfen fand sich jederzeit ein namhafterer reformirter Geistlicher, der an
der Spitze der protestantischen Kirchen- und Schulangelegenheiten Siebenbürgens stand
und auch das literarische Feldlager leitete, zum Beispiel Johauu Dajka, Stephan
Katona von Gelej u. A. Um einen solchen Führer scharten sich meistens die zahlreichen
hochadeligen Schriftsteller, unter ihnen sogar Gabriel Bethlen, dann die Fürsten
Johann Kemeny und Michael Apassy und die fromme Susanna Löräntssy, Gemalin
Georg Räköezys I. Am siebeubürgischeu Fürstenhofe brannte um diese Zeit das Licht der
ungarischen Knltnr am hellsten nnd wußte einen Amos Comenins, Martin Opitz, Bister-
feld nnd überdies die gelehrtesten protestantischen Geistlichen, Professoren und Schriftsteller
Ungarns in seinen Kreis zu ziehen. Diese hoch aufschlagende Flamme warf auch über das
Ausland hin ihre feurigen Strahlen, denn Manche gingen hinaus, nur um ihre Studien
fortzusetzen, gelangten aber dort durch großes Talent zu europäischem Ruhme. Unter ihnen
hat Albert Molna r von Szeuez (1574 bis 1634) das Verdienst, daß die Psalmen,
nach französischen Mnstern mit echter dichterischer Weihe in magyarische Verse übersetzt,
schon 1607 erscheinen konnten; sie haben seitdem über hundert Auflagen erlebt. Diese
Psalmenübersetzung bezeichnet eine neue Richtung in der religiösen Lyrik des XVII. Jahr-
hunderts, besonders hinsichtlich der äußeren Form, die hier Lebendigkeit, Beweglichkeit
und einen geregelten Rhythmus gewann. Dies ist das Hauptwerk Albert Moluärs von
Szencz, doch entfaltete er außerdem noch eine überaus erfolgreiche literarische Thätigkeit,
während sein Leben nicht minder reich war an Widerwärtigkeiten und verschiedenartigen
Schicksalsschlägen. In der Heimat konnte er nicht lange weilen, der größte Theil seines
Lebens verfloß im Ausland, in ewiger Armuth, uuter Plackerei uud Verfolgungen. Doch,
je weiter er als viel duldender und umhergeworfener Mensch von uns abliegt, desto mehr
hebt sich seine Größe als Schriftsteller. Seine theologischen und philologischen Arbeiten
sind zumeist von der Wissenschaft überholt, seine Psalmen aber erklingen noch jetzt in den
protestantischen Kirchen und seine verbesserte Käroli'sche Bibel wird vom protestantischen
Publieum noch immer gelesen.
Die weltliche Dichtkunst konnte mit der so gewaltig fortschreitenden geistlichenLiteratnr
nur in einer einzigen Gattung Schritt halten. Das ist die Epik, deren vorzüglichster Ver-
treter, Graf Nikolaus Zriuyi , Banus von Kroatien, einer der ausgezeichnetsten Dichter,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Band 12
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (3)
- Band
- 12
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1893
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.49 x 21.91 cm
- Seiten
- 626
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch