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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 274 -
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274 Fortbildung zu verbinden wußte. Seine Sprache ist rein, biegsam, magyarisch. Er kennt die Sprache des Volkes genau und nicht minder die europäischen Sprachen, alle müssen ihm als Quellen dienen für seinen Stil. Wir finden bei ihm eine ganze Sammlung volkstümlicher Redensarten, Ausdrücke, Wendungen zusammengefaßt nnd angewendet. Seine auf Neuerung und Sprachbereicherung bedachte Feder ist gleichsam der Herold einer künftigen Zeit, welche die bewußte Ausbildung der magyarischen Sprache und die Befestigung der Nationalität als ihr wichtigstes Ziel betrachtet hat. IV. Das halbe Jahrhundert nach dem Szathmarer Frieden (1711) ist, wie in den anderen Staaten Enropas, auch in Ungarn eine Zeit der Erstarrung des historischen Sinnes. Die Idee der Nationalität, der Race lebte blos als Keim fort und begann nur hier und dort unter dem Morgenstrahl einer fernen Zukunft aufzugehen. Die Magnaten, welche den Thron Maria Theresias gerettet hatten, schienen an dem Hofe der anmuths- vollen Königin ihre Nationalität gleichsam zu vergessen, nicht etwa aus bösem Willen, sondern in Folge der allgemeinen Richtung des Zeitgeistes, besonders aber weil das herrschende Regierungssystem der Entwicklung des nationalen Lebens und Geistes nicht förderlich war. Von der französisch-deutschen Bildung förmlich bezaubert, gaben sie ihre nationale Sprache und Sitte gerne für die fremde hin; der niedere Adel jedoch und das städtische Bürgerthum blieben auch weiterhin treue Wächter der ungarischen Nationalität und Verfassung. Vom niederen Adel ging die Neuschaffung der Literatur aus, eine segens- reiche Arbeit, welche die Nation nicht sowohl mit einzelnen Meisterwerken beschenkte, als vielmehr den Grund zur ungarischen Cultur der Neuzeit legte, also durch eine allgemeine Einwirkung die Literatur in Schwung brachte. Der Fortschritt des öffentlichen Geistes, der sich nach der Erwerbung der fremden Bildung sehnte, erhielt eine neue Richtung durch den Literatenkreis, der in der ungarischen Leibwache zu Wien, unter den Gardisten entstand und dem sich noch Andere im Vaterlande selbst anschlössen. Vaterlandsliebe uud Schriftstellerruhm waren in ihrer Seele verschmolzen, und mitten im Getöse der Weltstadt, in Wien, einem der damaligen Brennpunkte sranzösirter Bildung, dachten sie bekümmert zurück an ihr früheres ödes Leben, an die Betäubung der Nation; der Ruf der Zeit schlug an ihr Ohr und sie warfen sich auf das Studium der alten Elassiker, besonders aber der französischen Dichter und Philosophen, um durch gegenseitige Aufmunterung gestärkt, Lehrer und Erzieher ihrer Nation zu werden. Die Gardisten-Schriftsteller wünschten durch die Ideen der französischen Philosophen des XVIII. Jahrhunderts den öffentlichen Geist Ungarns zu verjüngen und die ungarische Bildung aufzufrischen; daher nennt man ihren Kreis gewöhnlich die französische
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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