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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 292 -
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292 fanden künstlerischen Ausdruck in dem Gedicht: „Lebensphilosophie", wo es unter Anderem heißt: Hab' gelebt, daß ich genießen ! Hab' geseh'n des Lenzes Lächeln Möcht' mein Leben noch einmal, ! Und den Sommer, der sich sonnt. Hab' gelebt, daß ich beschließen Hab' geseh'n im Glüh'n und Fächeln Könnt' mein Leben ohne Qual; Jeden Erden-Horizont. Durchgeküßt der Rosen Garten, Sollt' ich ew'ge Zeiten leben. Durchgekeucht den Pfad, den harten. Könnten sie nicht mehr mir geben. Nach und nach gelangte Berzsenyi zur Überzeugung, daß, wer eine so ruhmreiche Vergangenheit hat wie der Ungar, denn doch nicht ganz elend untergehen könne und daß eine Nation, welche so patriotische, selbstaufopfernde Führer wie die Eszterhazy, Wesselenyi, Festetics, Szechenyi u. s. w. und Schriftsteller wie Viräg, Alexander Kisfaludy, Johann Kis, besonders aber Kazinczy hat, auch noch in der Zukunft leben müsse. Niemandes Laufbahn bewegte ihn tiefer als die Kazinezys, dessen Gestalt in der That auch uns in umso riesigeren Verhältnissen erscheint, aus je größerer Entfernung wir ihn betrachten. Franz Kazinczy steht unter den Neuschöpfern des ungarischen Schriftthnms in der ersten Reihe und noch jetzt fühlt die Literatur die ungeheure Wirkung seiner Thätigkeit. Er vereinigte in sich die lebensfähigsten Ideen seiner Vorgänger und bahnte schon in jungen Jahren eine Bewegung an, die ihm alsbald die Führerrolle sicherte. Er weihte sein Leben dem Fortschritt der Ideen, der Verschönerung des ungarischen Stils in Poesie und Prosa, der Ausbildung und Ausfeilung der ungarischen Sprache, der Veredlung des Geschmacks und der Verbreitung europäischer Bildung. Sein Bestreben war, die großen Überlieferungen Beffenyeis und Revais zu vereinigen, und seine glänzenden Talente, sein liebenswürdiger, schmiegsamer Charakter, die Feinheit seines Geschmacks, seine eingehende Kennwiß der ausländischen Literaturen drängten ihn sozusagen unbewußt auf die Bahn des Reformators, zu einer Thätigkeit von unbestreitbarem Verdienste und erstaunlichen Erfolgen,insofern sie vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zu dem Auftreten Szechenyis die ungarische Sprache und Literatur, ja weiterhin die ungarische Nationalität überhaupt nebst ihrer politischen Stellung und ihrem Verhältniß zu Europa neugeschaffen hat. Er war am 27. Oetober 1759 zu ^r-Semlyeny (Biharer Comitat) geboren. Seine Empfänglichkeit für die Literatur erwachte frühzeitig, in seiner Seele keimten von vorn- herein Eigenschaften, die dem Schriftsteller schon früh die nachhaltigsten Erfolge brachten und deren die Literatur auf das dringendste bedürfte: eine große und tiefe Empfänglichkeit für das künstlerisch Schöne, für das Ideale, das Streben nach diesem, eine feine gesell- schaftliche, sowie literarische Bildung und Geschmeidigkeit, der Urquell seines späteren edlen, wählerischen, ja feinschmeckerischen Geschmacks. Mit kaum zwanzig Jahren, nachdem
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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