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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 294 -
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294 da an rang er mit den schweren Sorgen des Lebens an der Seite der Gräfin Sophie Török, die er 1804 geheiratet hatte, und von einer wachsenden Familie umgeben, aber die Sorgen des Lebens konnten sein starkes Interesse für Literatur und Bildung keinen Augenblick zurückdrängen. Im Jahre 1806 zog er sich nach Szephalom am Fuße des Satorhegy im Zemplener Comitat zurück und führte von hier aus mit großer Energie die Sache der ungarischen Literatur etwa zwanzig Jahre lang; von hier aus begann er den Kampf der Spracherneuerung durch die Herausgabe der Sylvester'scheu Sprachlehre, durch sein Werk: „Dornen und Blumen" (lovissk es viräAok), durch die Biographien von -Dayka und Baröczy, durch neun Bände seiner Werke und seine verschiedenen Repliken auf die gegen ihn gerichteten Angriffe. Die Spracherneuerung wurde eigentlich nicht durch Kaziuczy begonnen. Einzelne Anläufe dazu zeigen sich schon seit dem XVI. Jahrhundert, doch nahm die Bewegung besonders gegen Ende des XVIII. Jahrhunderts größere Verhältnisse an. Der Zustand der ungarischen Sprache war nämlich in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in Folge der fremden Bildung und namentlich wegen des herrschenden Gebrauches des Lateinischen sehr verderbt. Selbst die nothwendigsten magyarischen Ausdrücke des geselligen Lebens waren vergessen; die Bildungssilben, Bestimmuugs- und Bindewörter wucherten in die Breite, das Gefühl für Reinheit der Sprache war im Aussterben begriffen. Die Schriftsteller fühlten fast ohne Ausnahme, wie dringend es war, die Sprache zu erweitem, und machten daher Versuche mit neuen Wörtern und Wortfügungen, wozu jedoch weder ihr Wissen, noch ihr Geschmack ausreichte. Kazinczy war es, der Alles, was auf diesem Gebiete seither lediglich aus dunklem Instinkt als behutsamer Versuch geschehen war, zum Grundsatz und System erhob. Er gab diesem Streben Bewußtheit, er wies der Bewegung ihre eigentliche Richtung und Aufgabe, indem er den grammatikalischen Stand- punkt stets dem ästhetischen opferte. Er wußte, daß die Pflege der Sprache auch die Umwandlung der ganzen Auffassungsweise der Nation nach sich zieht, und griff gerade deshalb nicht nur das System, sondern auch die engherzige Auffassung seiner Gegner, der Orthologen, scharf an, die sich auf den Sprachgebrauch, auf die individuellen Eigenschaften der Sprache beriefen. Die Orthologen wollten die Überfetznngen nicht gutheißen, da durch sie die neuen Wörter am meisten verbreitet würden. Kazinczy aber schrieb mit Beziehung darauf am Ende seiner Laufbahn: „Obgleich ich wußte, wie hoch der Schaffende über dem Nachahmenden stehe, wünschte ich doch lieber als ein nicht schlechter Nachahmender, denn als ein nicht guter Schaffender befunden zu werden." Er drang unausgesetzt auf gründliches Studium und wurde nicht müde, die Nothwendigkeit der Erneuerung seinen Schrift- genossen nahezulegen, welche für die Reinheit der Sprache fürchteten, während er an ihrer Bereicherung arbeitete. Man muß, sagte er, die Neuerungen nicht massenhaft einführen,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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