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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 298 -
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298 Lyrik in den Tiefen der Empfindung, sein nmdüstertes Gemüth findet keinen Trost und was er singt, gehört zu den verzweiflungsvollsten Melodien der ungarischen Poesie. Selbst wenn er einen heiteren Augenblick hat, die Angst um das Vaterland bleibt doch, denn es ist ihm gänzlich ans Herz gewachsen. Seine Phantasie vermag sich kaum abzuwenden von so vielen Erinnerungen des Ahnenruhmes uud der Trauer, immer kehrt sie zu diesen zurück auch aus den Träumereien der Liebe, als fühle er, daß sein patriotisches Leid nnversieglich ist. Kölcsey trat zuerst als Kritiker vor das Publikum. Seine Neigung zur Kritik hatte sich schon frühzeitig entwickelt und aus den Werken von Voltaire, Schiller, Bayle und Engel Nahrung gezogen. Fünfundzwanzig Jahre alt, schrieb er mit Szemere die „Antwort" (^sielet) an die Orthologen jenseits der Donau, als Erwiderung auf ihr gegen Kazinczy gerichtetes Pamphlet: (satirisch neugebildetes Wort, etwa: Äußerung) und begann seine so bemerkenswerthen Kritiken, indem er die Werke von Csokonai, Johann Kis und Berzsenyi zergliederte. Seine Kritiken machten eine ungewöhnliche Wirkung. Selbst seine Feinde erkannten an, daß die ungarische Literatur noch keine solchen besessen habe, denn sie zeigten ein gehobenes Wesen, gingen von hohen Standpunkten aus, ruhten auf ausgebreiteten philosophischen und philologischen Kenntnissen, waren künstlerisch aus- gearbeitet, ideenreich, von gebildetstem Geschmack und voll tiefer analytischer Begabung. Bald erschienen auch seine bedeutenden Studien über Körners „Zrinyi" und über das Komische, die ihn zum ersten Ästhetiker des Dramas in Ungarn machten. Kein ungarischer Kritiker hat so befruchtend auf die nachfolgenden Schriftsteller gewirkt als Kölcsey. Als die literarische Bewegung sich in eine politische verwandelte, betrat auch Kölcsey die politische Laufbahn; die Reden, die er als Mitglied des Reichstages von 1832/36 über die ungarische Sprache, das Theater, die Religionsfreiheit n. s. w. hielt, erhoben ihn unter die ersten Capacitäten. Als Redner auf dem Reichstage, im Eomitat und später in der Akademie war er der Erste, der in diesen Kunstgattungen wahrhaft gelungene Mnster- stücke lieferte. Er war der Begründer der akademischen Redekunst in Ungarn. Seine rednerischen Werke gehören zu den schönsten Erzeugnissen der Prosa-Literatur Ungarns. Stärkere Leidenschaft pulsirt zwar selten in seinen Zeilen, aber er bewegt immer durch poetische Auffassung, Pathos und Gehobenheit. Seine Sprache zeigt wohl den Einfluß Kaziuczys, ist aber nicht so fremdartig und ihre Anmuth besteht mehr in den künstlerisch angeordneten Perioden als in der Lebendigkeit. V. Die neuere Epoche der politischen Umgestaltung beginnt für die Nation in den Zwanziger-Jahren dieses Jahrhunderts. Der Kampf der Schriftsteller, der die Geister empfänglich machte für den freien Gedankenaustausch uud für die Erforschung der Wege
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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