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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
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300 des europäischen Fortschritts, durchdrang die ganze Nation, welche nach den harten Schlägen der napoleonischen Kriege, zur Vertheidigung der Verfassung und zur Entwick- lung ihrer altererbten, aber schlummernden Kraft, auf rein nationaler Grundlage und mit gesetzlichen Mitteln eine so großartige Bewegung in Fluß brachte, wie sie im Leben anderer Nationen nur selten zu finden. Der heiße Drang zum Fortschritt, zur politischen Selbständigkeit wurde immer allgemeiner und die Nation erkämpfte sich durch die fieberhafte Thätigkeit eines Vierteljahrhunderts ihren Platz in der Reihe der westlichen Culturstaaten. Die ungarische Poesie berührt sich auf das engste mit dem ganzen Verlaufe dieser außerordentlich wichtige» Umgestaltung; bald bereitet sie die politischen Bewegungen vor, bald bleibt sie ihnen als Begleiterin nahe, immer aber verkündet sie die schöpferische Freiheit des selbständigen nationalen Geistes. Und dieser macht sie fruchtbar an Stoffen und Ideen, an Ton und Form, ja selbst an Kunstgattungen, nachdem sie das Joch der fremden Geister und Richtungen zerbrochen, die Übermacht des classischen Idealismus abgeworfen und auch die erfrischenden Elemente des europäischen Romanticismns, der nationalen Sage und Geschichte, sowie der Volksdichtung mit sich verschmolzen. In der Poesie und ganzen Literatur erklingt ein neuer Ton, ein neues Empfinden, eine neue Sprache. Die Lyrik hat schon früher ihren Aufschwung genommen, nun aber legen die Dichter auch den Grund zu Drama, Epos, Ballade, Romanze, Roman, poetischer Erzählung und Novelle; dazu erweitern sie den Kreis der lyrischen Stoffe und erheben in den Verfassungskämpfen eine bis dahin mehr oder weniger vernachlässigte Kunstgattung, die rhetorische Darstellung zu hoher künstlerischer Stufe. Und so wie die ungarischen Staatsmänner bestrebt sind, das Los des armen Volkes zu bessern und diesem dann Einlaß in die „Bollwerke" der Verfassung zu verschaffen: steigt nun auch die Phantasie der ungarischen Dichter von dem mit altmythologischen Gestalten bevölkerten Helikon herab zu der Gedanken- und Gefühlswelt des schlichten Volkes, die Schriftsteller sammeln und erläutern die schönsten Blüten der Volksdichtung und führen auf diese Art die neue Literatur zu den Quellen der alten und der Volksdichtung zurück. Der neue poetische Inhalt erscheint in neuer Form, das heißt, die westeuropäischen und classischen Formen gewinnen einen leichteren Rhythmus und größere Präcision, während die alten magyarischen Versformen sich künstlerisch gestalten. Kurz, die ungarische Literatur wurde in Gedanken, Inhalt und Form völlig national. Diese Neugestaltung der ungarischen Poesie wird durch die Thätigkeit Karl Kis- faludys (1788—1830) immer fühlbarer und wirksamer. Jene Dichtungsform, die bisher keinen einzigen vorzüglichen Vertreter hatte, das Drama, erhält durch ihn den Anstoß zur Entwicklung. Den ersten Lorbeer erntete er 1819 durch sein Drama: „Die Tataren in Ungarn" und nach wenigen Jahren schon war er, auch durch die Begründung des
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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