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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 286 -
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286 Mangel an Mitteln und wegen anderweitiger Beschäftigung matt geführt. Daher wurde einigemal ein Waffenstillstand vereinbart uud im Jahre 1478 endlich in Olmütz Friede geschlossen König Wladislaw behielt das Königreich Böhmen und Matthias verblieb im Besitz von Mähren, Schlesien und der Lausitz, jedoch sollten diese Länder nach seinem Absterben wieder an die böhmische Krone zurückfallen, und zwar gegen eine Entschädigung von 400.000 ungarischen Goldgulden. Damit war der Kamps beendet, aber die religiöse Spaltung in Böhmen wurde dadurch nicht aus dem Wege geräumt, sondern infolge des langwierigen Krieges nur noch mehr zugespitzt. Streitigkeiten der Katholiken mit den Utraqnisten waren an der Tagesordnung, und da der König den Katholiken die Stange hielt, kam es einigemal zu heftigen Ausbrüchen gegen die letzteren, so namentlich im Jahre 1483 in Prag, wo die Rathhäuser aller drei Städte vom gemeinen Volke erstürmt und die verhaßten Raths- herren auf der Stelle erschlagen wurden. Aber die Utraqnistenpartei sank dabei immer tiefer. Die römische Kirche erkannte sie nicht an und sie selbst siechte seit dem Tode Georgs hin wegen^ Mangel an festen Einrichtungen und wegen ihrer Zwitterstellung nach innen und außen. Die Böhmen, welche bei dieser Consession nicht mehr die Befriedigung ihrer Bestrebungen fanden, meldeten sich schaarenweise zur Brüderunität, welche wohl aus geringen Anfängen entstanden war, aber infolge fester Organisation und des Eifers für einen sittlichen Lebenswandel ungemein an Anhängern zugenommen hatte, so daß sie schon zu Wladislaws Zeiten einige hundert Gemeinden bildete. Der Haupt- sitz der Unität war Jungbuuzlau und das höchste Ansehen genoß in ihr damals Bruder Lukas sowohl wegen seines religiösen Eifers als auch wegen seiner Gelehrsamkeit und Umsicht. Zwischen den Katholiken und Calixtinern kam es wohl im Jahre 1485 in Kuttenberg zu einer Übereinkunft, in welcher die beiden Parteien sich verpflichteten, einander nicht zu schmähen und zu bedrücken, sondern sich in Allem uach den Eompactaten zu verhalten, aber den Utraquisteu war damit nicht geholfen. Denn mit dem kirchlichen Verfall verfiel auch die Moralität und sank die Bildung. Sowie die Brüder mit Ver- achtung die Desorganisation des Utraquismus betrachteten, so war den humanistisch gebildeten Katholiken die Unwissenheit des utraquistischeu Ekerns ein Greuel. Auch die ehedem in der ganzen Welt hochberühmte böhmische Tapferkeit war unter Wladislaw im Verschwinden und an ihre Stelle trat Indolenz, Egoismus und Verguügungssucht. Es fehlte nicht an vorzüglichen Juristen (Victorin Koruel vou Vsehrd), Humanisten (Bohuslav von Lobkowitz), Baumeistern und andern Künstlern, aber das Volk als Ganzes siechte hin. Am ärgsten wurde die Lage, als König Wladislaw im Jahre 1490 zum König von Ungarn gewählt wurde und dorthin übersiedelte. Die Regierungsgewalt gelangte
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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